Die Uhren sind umgestellt, es bleibt am Abend endlich länger hell, die Sonne scheint und die Temperatur steigt: Keine Frage, der Sommer ist auf dem Weg!

Mit dem Sommer kommen natürlich auch die großen Sportveranstaltungen des Jahres, seien es die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London, die Tennisturniere von Roland-Garros und Wimbledon oder die Ruderwettkämpfe in Sarasota. Doch der Sommer ist nicht nur für Spitzensportler da. Auch die körperlich unbegabtesten unter uns spüren zu dieser Jahreszeit den Impuls, die Tennisschläger auszugraben, die Fahrradreifen aufzupumpen und die Wanderschuhe abzustauben. Kurz gesagt – an die frische Luft hinauszugehen und sich ein wenig im Freien zu bewegen.

In der Tat waren es auch solche Tätigkeiten, die – mit Freunden und Familie im Urlaub oder an den Wochenenden ausgeübt – zu Liebermanns Zeit als „Sport“ angesehen wurden. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entdeckte die wachsende europäische Mittelschicht ein neues Phänomen: die Freizeit, und diese Zeit wollte gefüllt werden. Die Menschen suchten nach einer Abwechslung zum Berufsleben und zum Bewegungsmangel des Alltags. Die neue Idee vom „Sport“ traf hier den Nerv der Zeit: „Spiel, Unterhaltung, vorzugsweise eine solche Belustigung, die im Freien vor sich geht und mit Körperübung verbunden ist“, wie es der Brockhaus von 1895 definiert.

Die Darstellung von Freizeitvergnügungen war Liebermanns große Leidenschaft. Ab 1900 stellte er Freizeitszenen: die Konzertbesucher im Opernhaus Unter den Linden, die Spaziergänger im Tiergarten sowie die Ausflügler in den Caféterrassen rund um den Wannsee. In dieser Zeit entdeckte er auch den Sport.

Unsere neue Sonderausstellung Max Liebermann und der Sport: Reiten, Tennis, Polo, bietet einen Überblick dieser Werkgruppe. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Bremen vorbereitet, wo sie im letzten Winter zu sehen war, und ist die erste, die sich mit Liebermanns Sport-Bildern beschäftigt.

Die Bilder der Ausstellung stammen aus den Jahren zwischen 1895 und 1931 und zeigen die verschiedenen Formen der „Belustigung im Freien“, die Liebermann in der zweiten Hälfte seiner Karriere aufs Papier oder auf die Leinwand brachte. Das Lawn-Tennis zum Beispiel. Das Spiel, das im Jahr 1874 zum ersten Mal in Deutschland gespielt wurde, war ein Import aus England. Innerhalb kürzester Zeit wurde es zur Mode: beim Adel und beim gehobenen Bürgertum. Auch Liebermanns Tochter Käthe spielte Tennis. Der Künstler schrieb 1900 an einen Freund, etwas genervt: „Sie ist doch nicht allein dem Vergnügen wegen auf der Welt, auch kann sie nicht den ganzen Tag Lawn-Tennis spielen!“. Liebermanns Ärger änderte aber nichts daran, dass das Spiel kurz darauf in seinen Bildern zu sehen war.

Max Liebermann, Polospieler in Jenischs Park, 1903
© Privatbesitz

Der Pferdesport spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für Liebermanns Darstellungen der Freizeit – das Polospiel ebenso wie das Hindernisrennen. Seine Bilder von den Polospielern im Hamburger Jenischpark und dem Rennen in den Florentiner Cascinen zeigen besonders schön den Einfluss der französischen Impressionisten, deren Bilder Liebermann selber besaß, insbesondere den Einfluss von Edgar Degas. In der Ausstellung zeigen wir neben Liebermanns Pferdesportbildern zwei Werke von Degas, um die Verbindungen zwischen den beiden Künstlern zu verdeutlichen.

Weitere Räume der Ausstellung sind dem Segelsport am Wannsee und dem Baden gewidmet. Damit bietet die Schau nicht nur eine neue Perspektive auf Liebermanns Kunst, sondern auch eine geschichtliche Übersicht über die Anfänge des Sports in Deutschland. Und wer weiß: Vielleicht bekommen Sie bei Ihrem Ausstellungsrundgang sogar neue Ideen für Sportarten, die Sie in diesem Sommer noch ausprobieren könnten!


Autorin: Dr. Lucy Wasensteiner

Dr. Lucy Wasensteiner ist wissenschaftliche Volontärin der Liebermann-Villa am Wannsee

Die Ausstellung Max Liebermann und der Sport: Reiten, Tennis Polo ist noch bis zum 26. Juni 2017 in der Liebermann-Villa zu sehen.