Man könnte sich darüber wundern, dass das Geburtstagsbankett, das die Preußische Akademie der Künste zu Ehren Max Liebermanns anlässlich seines 80. Geburtstags ausrichtete, ausgerechnet in einem Ausflugslokal am Wannsee stattfand: im Schwedischen Pavillon, der nur wenige hundert Meter von der Liebermann-Villa entfernt lag.
Ein wenig merkwürdig scheint aber auch der Zeitpunkt des Banketts: Es fand schon am 30. Juni 1927 statt, also genau 20 Tage vor dem eigentlichen Liebermann-Geburtstag. Die Akademie hatte aber zu Ehren des Künstlers im Juni auch eine große Liebermann-Jubiläumsausstellung eröffnet, die nun mit diesem Bankett gekrönt wurde.

Liebermann-Geburtstag
Das Ausflugslokal „Schwedischer Pavillon“ am Wannsee, 1918

Ein Grund für die Ortswahl war sicher, dass Max Liebermann – wie in jedem Jahr – die Sommermonate mit seiner Frau Martha in der Liebermann-Villa verbrachte und sich auch an diesem runden Jubiläum nicht davon abbringen ließ. Da der Künstler wenig Aufheben um seine Person und dieses Jubiläum machte und mit 80 Jahren schon recht betagt war, schien der nahe liegende Schwedische Pavillon also eine gute Lösung für das Bankett zu sein. Für die Liebermanns war es sehr praktisch, sie mussten einfach nur die Straße am Großen Wannsee (früher: Große Seestraße) hinuntergehen und fanden eine angemessene und von Liebermann geschätzte Lokalität vor.

Das unten stehende Bild vom Inneren des Pavillons gibt einen guten Eindruck von der Größe und der guten Ausstattung, die das Ausflugslokal hatte: Wie man sieht, gab natürlich nicht nur die einfachen Gartentische mit einfachen Holzstühlen im Freien, wie wir sie von Max Liebermanns Gemälden der Biergärten und Gartenlokale kennen.

Liebermann-Geburtstag
Das Innere des Schwedischen Pavillons © Historische Bildpostkarten – Universität Osnabrück Sammlung Prof. Dr. Sabine Giesbrecht

Sämtliche 120 Teilnehmer des Geburtstagsbanketts fanden leicht darin Platz. Die Gäste waren aus dem In- und Ausland extra für diesen Abend an den Wannsee gekommen. Es waren darunter Museumsmänner, wie Direktor Emil Waldmann aus Bremen und Wilhelm Wartmann, der Direktor des Kunsthauses Zürich. Es waren Abordnungen der Ministerien und des Auswärtigen Amtes dabei sowie Künstlerfreunde, wie Karl Schmitt-Rottluff, Olaf Gulbransson und Ulrich Hübner. Außer Martha Liebermann und Tochter Käthe waren lediglich noch zwei weitere Damen anwesend, die Künstlerinnen Maria Slavona und Charlotte Berend-Corinth.

Liebermann-Geburtag
Menükarte von Max Slevogt für das Geburtstagsbankett

Die Stimmung unter den versammelten Liebermann-Freunden war angesichts des guten Essens und der launigen Reden sehr gut. Max Slevogt hatte die Menükarte für diesen Abend entworfen. Sie wurde nach Berichten von Zeitzeugen „das Objekt zäher Unterschriftenjagd“. Die Ankündigung eines Vertreters der Stadt Berlin, dass Max Liebermann zum Ehrenbürger ernannt worden sei, löste schließlich großen Jubel unter den Anwesenden aus.
Auch die Max-Liebermann-Gesellschaft beging gestern den Liebermann-Geburtstag (es wäre sein 169. Jubiläum gewesen): mit einem Bildvortrag und einem Glas Geburtstags-Bowle. Letzte konnte an Holztischen und Holzstühlen auf der Caféterrasse eingenommen werden – wie in einem der Ausflugslokale auf den Bildern von Max Liebermann.


Autorin: Sandra Köhler (Presse)