Sehnsucht nach Idylle – Max Liebermann und die Maler am Wannsee

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir am 20. Oktober die Ausstellung “Sehnsucht nach Idylle – Max Liebermann und die Maler am Wannsee” eröffnet. Seither kamen rund 5000 Gäste in die Liebermann-Villa, um die Werke Max Liebermanns und seiner Malerkollegen Anton von Werner, Carl Becker, Oscar Begas, Hugo Vogel und Philipp Franck zu betrachten.

Erstmalig zu sehen sind Gartenbilder des Malers Hugo Vogel, der nur einen Steinwurf entfernt von Liebermanns Garten seinen eigenen Wannseegarten hegte und pflegte und sprühend impressionistische Bilder schuf, die bisher noch nie in einer Ausstellung gezeigt worden sind. Besonders gefreut hat uns, dass zwei Nachfahren von Hugo Vogel und ihre Familien bei der Eröffnung zugegen waren. Dies macht deutlich, dass sich die Geschichte Wannsees höchst lebendig ins Hier und Heute transportieren lässt.  [...]  Mehr

Max Liebermann und Lesser Ury – Zweimal Großstadt Berlin

Am 19. Mai ist in der Liebermann-Villa die diesjährige Sommerausstellung „Max Liebermann und Lesser Ury – Zweimal Großstadt Berlin“ eröffnet worden. Die Ausstellung stellt die Großstadtbilder der beiden Künstler gegenüber und zeigt dadurch sowohl die Wesensverwandtschaft als auch die Verschiedenartigkeit in Motivwahl und Darstellungsform beider Künstler.

Der gebürtige Berliner Max Liebermann (1849–1935) und der als Kind aus Posen zugezogene Lesser Ury (1861–1931) waren poetische Chronisten der aufstrebenden Weltstadt Berlin. Ihre Bilder zeugen von einer Epoche großer technischer und künstlerischer Innovationen. Sie lassen die Entwicklungen der Zeit mit ihrem gesteigerten Tempo sichtbar werden: Automobile treten mit Kutschen in Wettstreit, Straßenbahnen verdrängen Pferdetrams und elektrische Bogenlampen ersetzen Gaslaternen.

Obgleich einige Werktitel auf konkrete Berliner Orte verweisen, geht es Liebermann und Ury in ihren Farbvisionen ganz allgemein um das umtriebige Großstadtleben. Ihre flüchtigen Momentaufnahmen schildern städtische Alltagssituationen und fangen die Lichtatmosphäre in der Tradition des französischen Impressionismus ein. Dennoch sind ihr Interesse am und ihre Motivwahl zum Thema Großstadt grundverschieden. [...]  Mehr

London 1938: Konferenz “Sites of Interchange” im Courtauld Institute, London

So häufig wie am letzten Sonnabend ist der Name „Liebermann-Villa“ in London wohl noch nie gefallen. Am 2. und 3. November 2018 fand im Courtauld Institute of Arts die Konferenz „Sites of Interchange. Modernism, Politics and Culture in Britain und Germany, 1919-1951“ statt, die Teil des internationalen  Rahmenprogramms unserer aktuellen Ausstellung „London 1938“ war. Veranstaltet wurde die Konferenz als Kooperation zwischen der Liebermann-Villa Berlin, der Wiener Library London und des Courtauld Institute of Arts. Das Courtauld Institute ist ein zur Londoner Universität gehörendes Institut für Kunstgeschichte, das im noblen Sommerset House, einer großen klassizistischen Gebäudeanlage am Ufer der Themse, untergebracht ist. Es verfügt über eine eigene Kunstsammlung, die bedeutende Bestände insbesondere des französischen Impressionismus umfasst.

Das Courtauld Institute in der Londoner Innenstadt

Die von der Liebermann-Villa initiierte Konferenz fand im Kenneth Clark Lecture Theatre statt, einem Vorlesungssaal mit ansteigenden Reihen, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Die Sprecher waren aus den USA, Großbritannien und aus Deutschland angereist. Ihre Beiträge boten ein hoch interessantes, vielfältiges Themenspektrum: Die Lebensumstände von Künstlern, Architekten und Kunsthändlern im britischen Exil, unter ihnen Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Freund und Ludwig Meidner, wurden ebenso beleuchtet wie die Unterschiede und Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien bei der Stadtplanung und im Spielzeugdesign sowie die Geschichte des Anglo-German Clubs in London, der Ende der 1920er Jahre eine wichtige Plattform des interkulturellen Austausches darstellte. Geleitet wurde die Konferenz von Dr. Lucy Wasensteiner, Kuratorin der Ausstellung in der Liebermann-Villa, und Dr. Robin Schuldenfrei vom Courtauld Institute. Mir blieb die Aufgabe, in einer „Welcome Address“ allen Beteiligten zu danken und den Bogen zu unserer Ausstellung in der Liebermann-Villa zu schlagen.

Blick in den Konferenzsaal, das Kenneth Clark Lecture Theatre

Den Festvortrag am Abend des ersten Tages hielt der ehemalige Direktor der Scottish National Gallery of Modern Art, Richard Calvocoressi unter dem Titel „Artistic bad manners: Modern German Art and the British“.  Er sprach über die durch Krieg und die Fokussierung auf die amerikanische Kunst in der Nachkriegszeit beeinträchtigte Rezeption der deutschen Moderne in Großbritannien und die unermüdlichen Anstrengungen einzelner Kuratoren, Werke von Klee, Beckmann und Dix in die Sammlungen der britischen Museen zu bringen. Immer wieder kam Calvocoressi dabei auf die Ausstellung in der Liebermann-Villa zu sprechen, bei deren Eröffnung Anfang Oktober er dabei war. Er lobte sie in den höchsten Tönen und empfahl dringend, nach Wannsee zu fahren. Das Programm der Konferenz, die vom British Council und von der Kulturstiftung des Bundes finanziell unterstützt wurde, war mit insgesamt 17 Vorträgen vollgepackt und stellte eine hervorragende inhaltliche Ergänzung zu unserer Ausstellung dar. Der Ort der Konferenz hätte nicht besser gewählt werden können, denn es war am Courtauld Institute, wo Lucy Wasensteiner als Studentin der Kunstgeschichte auf die Londoner Ausstellung von 1938 aufmerksam wurde und sich entschied, ihre Doktorarbeit über dieses besondere historische Ereignis zu schreiben. Mit der Konferenz „Sites of Interchange“ kehrte das Thema damit an seinen Ursprungsort zurück.

Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Direktor der Liebermann-Villa