Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Neue Gärten“ in der Liebermann-Villa wollen wir Sie mit einigen wichtigen Persönlichkeiten der Gartenreformbewegung bekannt machen. Die Reihe beginnt mit Erwin Barth.
Erwin Albert Barth (1880-1933) war von 1912 bis 1926 Gartendirektor von Charlottenburg und anschließend von Groß-Berlin. Er gestaltete in seiner Amtszeit zahlreiche Berliner Stadtplätze und Parks, die im Sinne der Lebensreformbewegung allen Menschen Licht, Luft und Sonne bringen sollten. Dazu gehören der Volkspark Jungfernheide, der Mierendorffplatz, der Brixplatz, der Savignyplatz, der Boxhagener Platz, der Volkspark Köpenick, der Volkspark Mariendorf, der Luisenstädtischer Kanal, der Lietzenseepark u.v.a. [...]Mehr
Die Tage werden merklich länger. Und wer sich bei den aktuell eisigen Temperaturen schon nach dem Frühling sehnt, ist herzlich in die Liebermann-Villa eingeladen. Hier haben wir am Sonntag unter großem Publikumsinteresse die Ausstellung „Neue Gärten. Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne“ eröffnet. Sie ist den Reformbemühungen im Bereich der Gartenkunst gewidmet, die in der Zeit zwischen 1900 und 1914 zu einem tiefgreifenden Wandel führten. In Opposition zur bisherigen, von den Ideen des englischen Landschaftsgartens geprägten Praxis, forderten Architekten, Künstler und Landschaftsplaner den Reformgarten. An die Stelle der Imitation von Landschaft mit sich schlängelnden Wegen und anmutigen Gebüschpflanzungen sollten streng geometrische Gärten treten, in denen Hecken neue Räume definieren.
Unsere Ausstellung „Neue Gärten“ haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Schloss und Park Benrath, Düsseldorf entwickelt. Sie ist für die Liebermann-Villa das Beispiel einer gelungenen Ausstellungskooperation, bei der eine gemeinsam erarbeitete Ausstellung in beiden beteiligten Museen zu sehen ist. Sie fügt sich ein in eine stolze Reihe erfolgreicher Ausstellungskooperationen, die wir seit der Eröffnung der Liebermann-Villa als Museum geschlossen haben. Den Auftakt in dieser Reihe machte im Jahr 2008 unsere Ausstellung „Der Jesusskandal“, die wir dem Hamburger Liebermann-Gemälde „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“ gewidmet hatten und die im Anschluss an die Station in der Liebermann-Villa auch in der Hamburger Kunsthalle zu sehen war. 2011 folgte anlässlich unserer Ausstellung „Liebermann am Meer“ eine Kooperation mit dem Museum Kunst der Westküste auf Föhr und 2014 eine Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Mainz, von dem wir die Ausstellung „Im Banne der Verwüstung“ übernahmen. Im vergangen Jahr haben wir dann zusammen mit der Kunsthalle Bremen die große Ausstellung „Liebermann und der Sport“ realisiert. In diesem Jahr werden wir als besonderen Höhepunkt unsere kommende Herbstausstellung „London 1938. Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler“ vorab in London zeigen können. Hier konnten wir die Wiener Library, eines der weltweit bedeutendsten Archive zum Holocaust und der Zeit des Nationalsozialismus, als Partner gewinnen.
Gelungene Ausstellungskooperation – Dr. Stefan Schweizer, Direktor der Museen Stiftung Schloss und Park Benrath und Direktor Dr. Martin Faass bei der Eröffnung in der Liebermann-Villa
Bei der Umsetzung der gemeinsamen Projekte ist es stets so, dass eines der beiden beteiligten Häuser die organisatorische Hoheit über das Projekt übernimmt, Leihgaben anfragt und die Redaktion der Kataloggestaltung übernimmt. Für die Präsentation der Objekte vor Ort sind die einzelnen Häuser jedoch stets selbst zuständig, da diese sich mit ihren Räumlichkeiten am besten auskennen. Das hat zur Folge, dass die Ausstellung je nach Standort oft ganz unterschiedlich ausfällt und nicht selten auch andere Schwerpunkte setzen kann. So ist zum Beispiel unsere aktuelle Garten-Ausstellung in der Liebermann-Villa aufgrund der räumlichen Gegebenheiten kompakter und inhaltlich stärker auf die Berliner Privatgärten fokussiert als in Düsseldorf, wo sich die Präsentation über zwei Etagen erstreckte. Das hat den Vorteil, dass Interessierte, die die Ausstellung schon in Benrath gesehen haben, in Berlin immer noch Neues entdecken können. Es lohnt sich also oft ein Besuch beider Ausstellungsorte.
Die Liebermann-Villa und ihr Garten en miniature: Im Rahmen der Ausstellungs-Kooperation “Neue Gärten” wurde auch ein Modell des Liebermann-Gartens angefertigt.
Grundsätzlich sind diese Ausstellungskooperationen aber nicht nur für die Besucher von Vorteil, sondern auch für uns als Museum von großem Nutzen. Sie ermöglichen es uns 1. wissenschaftliche Kompetenzen zu bündeln, 2. die Sammlungsbestände und die unterschiedlichen Kontakte der Häuser gemeinsam für das Projekt zu nutzen, 3. ein größeres Publikum zu erreichen, 4. einen günstigeren Katalog herzustellen, da dieser in höherer Auflage produziert werden kann, und 5. Einsparungen bei den Transportkosten zu erreichen, da sich die beteiligten Museen den Hin- und Rücktransport teilen können. Der zusätzliche Zwischentransport von einem zum anderen Ausstellungsstandort ist dabei vergleichsweise günstig. Natürlich gibt es in jeder Ausstellung Werke, die wegen ihres fragilen Erhaltungszustandes oder aus anderen Gründen nur für eine Station zugesagt werden können, so dass mit Austauschobjekten gearbeitet werden muss. Doch das sind eher Ausnahmen. Für uns gilt: Gemeinsam sind wir stark! Und deshalb ist die Liebermann-Villa für die Zukunft bereits mit unterschiedlichen Museen im Gespräch, unter anderem mit dem Sorolla Museum Madrid, dem Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen und dem Tel Aviv Museum of Art in Israel, um unseren Besuchern auch in den kommenden Jahren interessante und anregende Ausstellungen von internationalem Format zu präsentieren.
Autor: Dr. Martin Faass
Dr. Martin Faass ist Direktor der Liebermann-Villa am Wannsee
Die Ausstellung “Neue Gärten – Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne” ist noch bis zum 28. Mai 2018 in der Liebermann-Villa zu sehen.
In diesem Winter zeigen wir in der Liebermann-Villa eine besondere Ausstellung: Die Schau ist der in Bonn geborenen Pressefotografin Käthe Augenstein (1899-1981) gewidmet. Die Ausstellung begleitet Augensteins Karriere vom Berlin der Weimarer Republik über einen Atelierbesuch bei Max Liebermann um 1930 bis hin zu ihren Arbeiten der Nachkriegszeit in Bonn. Die Fotos finden eine sehr positive Resonanz bei unseren Besuchern – was uns natürlich sehr freut!
Besonders beliebt ist Augensteins Foto-Serie aus dem sogenannten „Bonner Studentenbunker“, die sie im Herbst 1949 aufnahm. Kurz nach Kriegsende wurde ein ehemaliger Luftschutzbunker im Bonner Stadtteil Poppelsdorf in ein Studentenwohnheim umgewandelt. Trotz fensterloser Räume und einer Gebäudetemperatur, die der eines modernen Kühlschranks entsprach, war der Bunker unter jungen Leuten sehr begehrt, da er günstiger und mit mehr Freiheiten verbunden war als die Unterkünfte auf dem freien Markt. In einer kurzen Reihe von Aufnahmen erfasste Augenstein die verschiedenen Aspekte des Lebens im Bunker: von den einfachen Wohnverhältnissen bis hin zur lebendigen und geselligen Stimmung.
Für die Familie Pauly aus dem Rheinland hielt diese Fotoserie eine besondere Überraschung bereit. Während einer Fernsehreportage über die Ausstellung, die Mitte Oktober im RBB gesendet wurde, erkannten sie auf einem der Bilder ihren kürzlich verstorbenen Vater, Dr. Heribert Pauly, Jahrgang 1923. Die Familie nahm sofort Kontakt mit der Liebermann-Villa auf, um uns weitere Details über den Mann an der Schreibmaschine mitzuteilen.
Wie die Zeichnungen im Hintergrund erkennen lassen, war Heribert Pauly Student der Medizin und ganz in seine Arbeit vertieft, als Käthe Augenstein 1949 den Studentenbunker besuchte. Geboren in Wegescheid, etwa 50 km von Köln entfernt, hatte er sein Studium an der Humboldt Universität in Berlin begonnen, um dann 1947 auf Wunsch seiner Eltern ins Rheinland zurückzukehren. Im September 1947 wechselte er an die Universität in Bonn und bezog ein Zimmer im Poppelsdorfer „Studentenbunker“. Hier wohnte er zwei Jahre lang bis zum Ende seines Studiums.
Bis ins hohe Alter erzählte Heribert Pauly seiner Familie von seiner Zeit in diesem außergewöhnlichen Wohnheim: von den widrigen Umständen und der Dauerkälte, aber auch von den vielen Freundschaften, die er dort schließen konnte – unter anderem mit dem österreichischen Kommilitonen Otto Prokop, der 1956 als Professor für Gerichtsmedizin nach Ost-Berlin wechselte und später in seinem Fach weltweites Ansehen genoss.
In Augensteins Foto sehen wir Heribert Pauly an seiner Schreibmaschine. Er saß wohl an seiner Doktorarbeit, die er September 1949 einreichte. Noch im selben Monat verließ er den Bunker und heiratete seine Verlobte Erika Stolze. Das Paar zog nach Berlin, wo Heribert Pauly eine Stelle als Pflichtassistenzarzt im St. Hedwig-Krankenhaus in Mitte gefunden hatte. Im folgenden Jahrzehnt spezialisierte sich Pauly in der Kinderheilkunde, erst im Kinderkrankenhaus in Berlin-Lichtenrade, später im Städtischen Krankenhaus Moabit. Hier hatte er eine ganz besondere Aufgabe, er gehörte nämlich zu jenem Team, das im April 1957 das Gorilla-Kind Knorke aus dem Berliner Zoo behandelte, ein Fall, über den auch in der Ufa Wochenschau vom 10. April 1957 berichtet wurde. (Der Wochenschaubericht kann über diesen Link Online angesehen werden, 4:30 Min.).
Nach dem Schock des Mauerbaus 1961 wollte das Ehepaar Pauly Berlin verlassen. Sie verkauften ihr gerade gebautes Haus in Hermsdorf und zogen mit den inzwischen drei Kindern an den Niederrhein. Dort war Heribert Pauly ein Chefarztposten in der Kinderabteilung des Marien-Hospitals Wesel angeboten worden. Nach dem Abitur des jüngsten Kindes fing auch Erika Pauly an, als Ärztin in der Klinik zu arbeiten. Wie ihr Mann hatte auch sie in den späten 1940er Jahren ein Medizinstudium abgeschlossen.
Seit 1974 arbeitete das Ehepaar zusammen am Aufbau einer Spezialambulanz für Vorsorge und Frühförderung im Marien-Hospital, wo sie bis zu ihrer Pensionierung in den späten 1980er Jahren weiter tätig waren. Erika Pauly verstarb 2014, ihr Mann Heribert ein Jahr später im März 2015.
Dank Käthe Augensteins Fotografien erhielt die Familie Pauly einen neuen Einblick in das Leben ihres Vaters. Sie hatte vorher keine Fotos aus dieser Zeit gesehen und wusste auch nichts von Käthe Augensteins Besuch. Auch das Museumsteam konnte durch die Bunker-Fotoserie einen faszinierenden Einblick in die Kraft der Fotografie gewinnen – wie sich aus einem einzigen Bild ein ganzes Leben entwickeln lässt!
Autorin: Dr. Lucy Wasensteiner
Die Ausstellung “Käthe Augenstein – Fotografien” ist noch bis zum 12. Februar in der Liebermann-Villa zu sehen.
Wir danken der Familie Pauly für ihre Informationen und Erinnerungen!
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