Nach London sind Gartengemälde von Max Liebermann nun auch in Zürich zu sehen. Am letzten Donnerstag wurde im Museum Rietberg die Ausstellung „Gärten der Welt“ eröffnet, und ich konnte mich persönlich davon überzeugen, dass der Liebermann-Garten auch hier ein gutes Bild abgibt. Die von Albert Lutz und Hans von Trotha, der vielen aus Berlin als Gartenspezialist bekannt sein dürfte, konzipierte Schau zeigt berühmte Gärten aus der ganzen Welt und erzählt Geschichten von Menschen, die in Gärten Inspiration, Liebe, Glück oder Zuflucht gesucht haben. Es ist ein Spaziergang durch viertausend Jahre Kulturgeschichte, vom Alten Ägypten bis zu unseren Tagen. Da dürfen natürlich auch die Gartenbilder von Claude Monet, Max Liebermann und Paul Klee nicht fehlen.

Liebermann in Zürich
Blick in die Ausstellung „Gärten der Welt“ in Zürich

Das Museum Rietberg ist eine klassizistische Villa im schönsten Park der Stadt Zürich. Von einem reichen Händler Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als Wohnhaus erbaut, wurde es 1949 zum Museum umgestaltet. Die Ausstellung findet in dem modernen, weitgehend unterirdischen Erweiterungsbau statt. Max Liebermann ist darin mit zwei Gartengemälden vertreten, von denen eines aus der Liebermann-Villa kommt (Dauerleihgabe aus dem Nachlass Gretchen Whitman, London). Ergänzt wird die Präsentation durch einen großen Bildschirm, auf dem ein Live-Bild aus dem Liebermann-Garten in Wannsee zu sehen ist. Eine Webcam in Berlin versorgt Zürich in regelmäßigen Abständen mit Bildern aus dem Staudengarten, so dass jeder Ausstellungsbesucher mit eigenen Augen sehen kann, dass es diesen prachtvollen Garten heute wieder gibt.

Liebermann in Zürich
Bilder aus dem Liebermann-Garten am Wannsee werden per Webcam nach Zürich übertragen

Am Tag der Ausstellungseröffnung konnte man vor allem eines sehen: dass das Wetter in Berlin wesentlich besser war als in Zürich. Die Bilder aus Berlin zeigten herrlichen Sonnenschein. In Zürich dagegen hatte es seit meiner Ankunft am Mittag ununterbrochen geregnet. Und zehn Grad kälter war es auch noch. Bei der Planung der Eröffnung hatte das Museum Rietberg die Rechnung offensichtlich ohne die Eisheiligen gemacht. Denn für die Reden war die Terrasse mit Blick auf den Garten vorgesehen. An diesem Plan wurde tapfer festgehalten und an alle Eröffnungsteilnehmer grüne Einmal-Regenponchos mit dem Aufdruck: „Regenwetter ist Museumswetter“ verteilt.

Liebermann in Zürich
Die Eröffnungsgäste ließen sich auch vom schlechten Wetter nicht abschrecken

Die trotz Ponchos und Regenschirmen durchgeweichte Zuhörerschaft wurde durch eine fabelhafte Präsentation in den trockenen Ausstellungsräumen entschädigt. Im Anschluss an den öffentlichen Teil der Eröffnung waren alle, die sich um die Ausstellung verdient gemacht hatten, Honoratioren der Stadt Zürich, Leihgeber, Museumskolleginnen und -kollegen, Mitwirkende am Katalog etc., zum Empfang ins Muraltengut eingeladen, einem spätbarocken Bau, der von der Stadt Zürich zu Repräsentationszwecken genutzt wird. Hier wurde auch der Liebermann-Villa am Wannsee noch einmal ausdrücklich für die Unterstützung des Projektes gedankt.

Wem die Reise nach Zürich zu weit ist, der kann den wunderbaren Ausstellungskatalog aus Zürich „Gärten der Welt. Orte der Sehnsucht und Inspiration“ (Wienand Verlag) bei uns im Museumsshop erwerben und im Garten der Liebermannvilla im Schatten der Birken oder im Teepavillon mit Blick auf den Wannsee in aller Ruhe studieren.


Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Direktor der Liebermann-Villa am Wannsee

Die Ausstellung „Gärten der Welt“ ist noch bis zum 9. Oktober 2016 im Museum Rietberg in Zürich zu sehen.