Fragend stehe ich bei der Eröffnung der Ausstellung „Waldemar Rösler“ vor dem Gemälde „Das blaue Beet“ und denke laut: „Welche Blumen könnten das sein – Hortensien, Primeln?“ – „Nein, es sind Zinerarien!“, ruft mir jemand zu. Die Ausstellungsaufsicht, in ihrem früheren Beruf als Landschaftsgärtnerin tätig, ist sich vollkommen sicher. Ich muss passen: Von dieser Pflanze hatte ich bis dahin noch nichts gehört.

Waldemar Rösler, Das blaue Beet, 1905
Waldemar Rösler, Das blaue Beet, 1905
© Künstlerhaus Rösler-Kröhnke

Nach längeren Recherchen bin aber auch ich davon überzeugt, dass es sich tatsächlich um Zinerarien handeln könnte, die Waldemar Rösler in seinem „blauen Beet“ von 1905 festhielt. Diese Vermutung wird auch durch meine Kollegin Dr. Angela Pfennig von der Gartenakademie Stralsund bestätigt.

Die „blaue Blume“ symbolisierte in der Romantik das Streben nach der Erkenntnis der Natur und der Verbindung des menschlichen Geistes mit der Natur. Sehr viel weniger romantisch klingen deshalb weitere Namen der Zinerarie, wie z. B. „Ascheblume“, so genannt wegen ihrer grauen Blattunterseite oder sogar „Läuseblume“, eine Bezeichnung, die die magische Anziehung eines unbeliebten Schädlings verrät.
Die Zinerarie war in den 1950er Jahren ein beliebtes Blumengeschenk zur Konfirmation, wie mir einige meiner ehrenamtlichen Gärtnerinnen berichteten. Selbstverständlich dann auch meist ihrem umgangssprachlichen Namen „Läuseblume“ entsprechend.

Während meiner Recherchen fand ich auch die Information, dass Zinerarien eher als Zimmerpflanzen denn als Beetpflanzen verwendet werden. Letzteres ist aber nicht ausgeschlossen: Nach einer frühen Blüte an einem kühlen Ort in der Wohnung, wie einem Wintergarten (Zinerarien sind typische Kalthauspflanzen), kann dieser einjährige Dauerblüher nach dem Frost auch ins Freie ziehen. Die Zinerarien blühen dann den ganzen Sommer auf dem Balkon oder im Beet, vorausgesetzt sie werden richtig gepflegt.

Innerhalb des Hauses braucht die Zinerarie weiter nichts als einen kühlen, eher halbschattigen Standort, nicht zu viel Feuchtigkeit, eine gewisse Luftfeuchte, aber absolut keine Zugluft. Beachtet man diese Vorgaben nicht und die Pflanze steht zu warm, bei trockener Luft und mit Staunässe und an einem zugigen Standort, macht sie ihrem Namen „Läuseblume“ alle Ehre und wird schnell ein Opfer dieses Schädlings. Ihre Blütezeit verlängert sich durch regelmäßiges Ausknipsen von Verblühtem.

Zinerarien
Zinerarien in einem Gemälde der Malerin Josephine Grimaud (1826-1875)

Auch ihrem tristen Namen „Ascheblume“, der nicht einmal eine stille Schönheit erahnen lässt, entspricht diese Blume mit margeritenähnlichen Blüten nicht. Sie wird als farbenfroher Korbblütler in blau, rot und rosa, oft auch zweifarbig angeboten. Pericallis-Hybriden, früher Senecio cruentus ist der botanische Name der Zinerarie, die seit dem späten 18. Jahrhundert bei uns kultiviert wird.

Ob sie nun wirklich die blaue Blume im „blauen Beet“ von Waldemar Rösler ist, wissen wir nicht hundertprozentig, aber wenn Sie jetzt neugierig geworden sind auf diese farbenfrohe Pflanze, die uns ab Januar die eintönigen grauen Wintertage versüßen könnte, achten sie beim Kauf darauf, dass sie recht viele Knospen hat und auf der Blattunterseite nicht schon einige kleine schwarze Tierchen zu sehen sind….


Autorin: Kirsten Plathof

Kirsten Plathof ist Gärtnermeisterin der Liebermann-Villa