Am letzten Sonntag waren unser Vorsitzender, Prof. Dr. Rolf Budde, und ich zu Besuch im Sorolla-Museum, einem der bemerkenswertesten Künstlerhäuser in Madrid. Hier wohnte und arbeitete einer der bekanntesten spanischen Maler des Impressionismus, Joaquín Sorolla y Bastida (* 27. Februar 1863 in Valencia; † 10. August 1923 in Madrid).

1910 hatte sich Sorolla mit seiner Familie endgültig in Madrid niedergelassen. Nach dem Tod seiner Witwe wurde das Haus mit dem kompletten Interieur und einem Großteil des künstlerischen Nachlasses in eine Stiftung überführt, die Fundación Museo Sorolla. Heute ist das Museo Sorolla eines der beliebtesten Künstlermuseen in Spanien. Bis zu 1.000 Besucher kommen pro Tag, um das nach Sorollas eigenen Vorstellungen eingerichtete Haus und den großen Ateliertrakt zu bewundern, in dem große Gemälde von Badenden am Strand, von eleganten Frauen und blühenden Gärten zu sehen sind. Die Direktorin des Hauses, Consuelo Luca de Tena Navarra, nahm uns am Eingangstor in Empfang, an dem sich bereits eine lange Schlange von Besuchern gebildet hatte. Sie kam in Begleitung von Signora Blanca Pons-Sorolla Ruis de la Prada, einer Verwandten des Künstlers und Mitglied des Vorstandes der Fundación Museo Sorolla, sowie der Kuratorin des Museums.

Besucherschlange vor dem Museo Sorolla in Madrid

Auch in Deutschland ist das Werk des spanischen Impressionisten mittlerweile gut bekannt. Die Hypokunsthalle in München widmete Sorolla im letzten Jahr eine sehr erfolgreiche Retrospektive. Auch in der Ausstellung der Royal Academy of Arts „Painting The Modern Garden“, London 2016, war der spanische Künstler mit seinen pastosen, vom Licht des Südens geprägten Gemälden vertreten. Wie Liebermann ließ sich auch Sorolla ab 1910 auf seinem Grundstück einen Garten nach eigenen Ideen anlegen, und wie der Berliner Kollege machte auch er seinen Garten zum Motiv seines künstlerischen Spätwerkes.

Joaquín Sorolla: Der Garten des Hauses Sorolla, 1919 © Museo Sorolla

Das war für mich Grund genug, den Kontakt zum Museo Sorolla aufzunehmen und die Möglichkeit einer Sorolla-Ausstellung in der Liebermann-Villa auszuloten. Wir wurden herzlich in Madrid empfangen und das auch, weil Direktorin Luc de Tena die Liebermann-Villa durch die Londoner Ausstellung bereits kannte und schon vor unserem Treffen im Frühjahr 2017 eine Reise an den Wannsee vorgesehen hatte. Eine zweite glückliche Fügung war, dass das Museo Sorolla gerade eine Ausstellung über die Gartenbilder Sorollas für die Museen in Valencia und Sevilla vorbereitet und damit genau an dem Thema arbeitet, das uns für die Liebermann-Villa interessiert. Im Konferenzraum der Museumsverwaltung, die in einem Gebäude in einer Seitenstraße untergebracht ist, präsentierte die Kuratorin ihr Ausstellungskonzept. Sie erläuterte, dass Sorolla, der fasziniert von den Gartenanlagen der Alhambra in Granada und des Alcázar von Sevilla war, seinen Garten im maurischen Stil anlegen ließ. Hier finden sich Brunnen, Schatten spendende Pergolen, geschnittene Hecken, bunt gemusterte Kacheln und blühende Pflanzen in Kübeln. Da es sich um ein innerstädtisches Grundstück handelt, ist der Sorolla-Garten in seiner Fläche nicht größer als ein Vorgarten, aber so geschickt in drei unterschiedliche Bereiche mit unterschiedlicher Gestaltung eingeteilt, dass sich je nach Standort sehr gelungene Blickachsen ergeben, die der Maler in seinen Gemälden immer wieder festgehalten hat.

Direktor Martin Faass im Garten des Museo Sorolla in Madrid

Anhand des Bildbandes „Im Garten von Max Liebermann“, den wir als Geschenk nach Madrid mitbrachten, erläuterten wir im Unterschied dazu Liebermanns Gartengestaltung. Nach unserem Gespräch waren sich alle einige: Die Gartenbilder Joaquín Sorollas sollen einmal in einer Ausstellung in der Liebermann-Villa zu sehen sein. Der Gegenbesuch in Berlin ist jetzt für das Frühjahr fest verabredet.


Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Dirktor der Liebermann-Villa am Wannsee