Für das Jahr 1997 haben wir einen Zeitungsausschnitt aus dem Archiv der Max-Liebermann-Gesellschaft ausgewählt, der drei damals in Berlin stattgefundene Liebermann-Ausstellungen ankündigt. Im Juli 1997 wäre der 1847 geborene Berliner Künstler 150 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläumsjahr bot somit Anlass, Max Liebermanns Leben und Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Max Liebermann gehört zu den bedeutendsten Malern der deutschen Moderne. Anfangs als „Armeleutemaler“ dem Realismus und Naturalismus verpflichtet wurde er später zum Vorreiter des Impressionismus in Deutschland. Nicht nur seine Kunst, sondern auch sein kunstpolitisches Engagement als Präsident der Berliner Secession und der Preußischen Akademie der Künste machten ihn zu einer angesehenen und geschätzten Künstlerpersönlichkeit.

Am Ende seines Lebens wurde Liebermann Opfer der nationalsozialistischen Kunstpolitik und sah sich gezwungen, von seinen öffentlichen Ämtern zurückzutreten. Nach seinem Tod 1935 verschwand der ehemalige Ehrenbürger Berlins aus dem Bild der Öffentlichkeit. Sein Stadtpalais am Pariser Platz Nr. 7 direkt neben dem Brandenburger Tor wurde im Krieg zerstört, seine enteignete Villa am Wannsee überstand hingegen den Krieg und wurde in der Nachkriegszeit erst als Krankenhaus und dann als Vereinsheim für den Deutschen Unterwasser-Club umgenutzt.

Direkt nach Liebermanns Tod wurde der Maler durch mehrere Gedächtnisausstellungen u. a. in Tel Aviv, Berlin, Wien, Bern, New York und Zürich gewürdigt. Auch in den ersten Jahren Nachkriegszeit fanden einige Liebermann-Ausstellungen statt, darunter drei Gedächtnisausstellungen in Berlin, Hannover und Linz zu Liebermanns 100. Geburtstag im Jahr 1947. Einen ersten Meilenstein für die Liebermann-Forschung stellte allerdings 1979/1980 die Wanderausstellung „Max Liebermann in seiner Zeit“ in der Neuen West-Berliner Nationalgalerie und im Haus der Kunst in München dar. Sie wurde von den Liebermann-Spezialist*innen Sigrid Achenbach, damalige Kustodin am Kupferstichkabinett, und Matthias Eberle, Verfasser des Liebermann-Werkverzeichnisses, ausgerichtet.

Nach der Wende wuchs, vor allem in den Jahren 1995–1997, das Interesse für Liebermann. Im Jahr 1995 wurde Liebermanns Wannseegarten unter Denkmalschutz gestellt und die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V., die ein herausragendes Potential in diesem Kulturerbe erkannt hatte, gegründet. Von Anfang an verfolgte die junge Gesellschaft zusammen mit der Akademie der Künste das Ziel, die Liebermann-Villa als authentischen Ort einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

An Liebermanns 150. Geburtstag 1997 führten drei renommierte Ausstellungen zur einer außerordentlichen Resonanz und Zuspruch für den Berliner Künstler.

Die Ausstellung „Max Liebermann – Jahrhundertwende“ in den Räumen der Alten Nationalgalerie befasste sich mit Liebermann als Jüdisch-Berliner Großbürger und Künstler zwischen den Jahrhunderten. Die ausgestellten Werke wurden nach Themen geordnet: Selbstbildnisse, Werke vor und nach 1900 (Holland, Frankreich), Bildnisse und Garten am Wannsee. Neben der großen Sammlung der Nationalgalerie wurden u. a. Leihgaben aus der Berlinischen Galerie, der Hamburger Kunsthalle, dem Musée d’Orsay, der Staatsgalerie Stuttgart und der Tate Gallery gezeigt.

Die in der Neuen Synagoge Berlin – Centrum Judaicum präsentierte Ausstellung „Was vom Leben übrig bleibt sind Bilder und Geschichten“ rekonstruierte hingegen die Liebermann-Gedächtnisausstellung von 1936. Die Ausstellung nahm einen direkten Bezug zum Ausstellungsort, der Neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße. In deren unmittelbarer Nähe befand sich das Berliner Jüdische Museum (1933–1938), in dem zum ersten Todesjahr des Künstlers eine Gedächtnisausstellung stattfand. Um die Geschichte der Gedächtnisausstellung von 1936 und der damaligen Leihgeber nachzuerzählen, konnte die Hälfte der damals präsentierten Werke in den restaurierten Räumen der Neuen Synagoge im Original gezeigt werden. Mitveranstalterin der Ausstellung war die Max-Liebermann-Gesellschaft.

Schließlich organisierte die Galerie Mutter Fourage unter der Leitung von Wolfgang Immenhausen, Gründungsmitglied der Max-Liebermann-Gesellschaft und passionierter Mitstreiter für Liebermanns Nachleben, die Ausstellung „Max Liebermann in Wannsee – Glanz und Untergang einer Lebenswelt“. Die Ausstellung dokumentierte die wechselhafte Geschichte des Liebermann Landhauses in der Villenkolonie Alsen sowie die Gartenbilder aus seiner späten Schaffenszeit. Ferner wurden erste Pläne für eine Wiederherstellung der Liebermann-Villa am Wannsee und ihren Garten präsentiert. Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch besuchten und bestaunten zum ersten Mal unzählige Liebermann-Freund*innen aus aller Welt den authentischen Ort am Wannsee.

Ansicht der 1997 erschienenen Ausstellungskatalogen, v. l. n. r.: Max Liebermann – Jahrhundertwende (Nationalgalerie Berlin); Was vom Leben übrig bleibt, sind Bilder und Geschichte (Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum); Max Liebermann in Wannsee – Glanz und Untergang einer Lebenswelt (Galerie Mutter Fourage)

Das durch diese drei wichtigen Ausstellungen und das Engagement der Max-Liebermann-Gesellschaft erweckte Interesse von Seiten der zivilen Gesellschaft für Liebermanns Sommervilla bewirkte eine wachsende Unterstützung der Bürgerinitiative der Max-Liebermann-Gesellschaft. Am 9. November 1997 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die Museumsnutzung von Haus und Garten, ohne jedoch öffentliche Mittel dafür zur Verfügung zu stellten. Nun galt es, ein Ersatzgrundstück für den Deutschen Unterwasser-Club zu finden, um das Liebermann-Grundstück übernehmen zu können. In den folgenden Jahren kämpfte der Verein leidenschaftlich darum, das Projekt der Wiederherstellung des Ortes als Gedenkstätte und Liebermann-Museum zu realisieren.

Autorin: Alice Cazzola

Alice Cazzola ist wissenschaftliche Volontärin der Liebermann-Villa