Noch nie habe ich so viele Mohnblumen am Straßenrand wachsen sehen wie in Giverny, an der Rue Claude Monet. Die werden hier sicherlich systematisch angepflanzt, in allen Farben und Größen, groß, klein, rot, rosa, blass violett und gelb. Schnurgerade und scheinbar endlos zieht sich die schmale Dorfstraße durch den Ort, vorbei an Natursteinmauern, an dörflichen Anwesen mit gepflegten Gärten und an Hecken. Und erst wenn man längst den Eindruck hat, die Hauptattraktion übersehen zu haben, stößt man auf eine kleine unscheinbare Tür, vor der eine Schlange wartender Menschen signalisiert: Hier bist Du richtig. Sicher, auch die große Dichte japanischer und amerikanischer Reisegruppen hätte als Hinweis gelten können.

Museumsleiter Dr. Martin Faass zu Besuch in Giverny
Museumsleiter Dr. Martin Faass zu Besuch in Giverny

Glücklicherweise hatte es am Sonntag geregnet, sodass es im Garten von Monet nicht zu voll war. Aber unabhängig vom Wetter ist der Garten ein Erlebnis: langgestreckte Beete, die üppig mit Iris, Mohn, Nachtviolen und anderen Stauden bepflanzt sind, gegliedert von Rosenhochstämmchen. Und erst der Seerosenteich, vor dem sich alle fotografieren ließen! Anders als bei Liebermann ist bei Monet das Haus noch weitgehend original ausgestattet, sodass man auch heute noch das gelbe Speisezimmer mit großem Tisch und die blau gekachelte Küche bewundern kann. Nur die Kunst an den Wänden und im Atelier ist aus konservatorischen Gründen durch Kopien ersetzt worden.

Das Musée des Impressionismes in Giverny
Das Musée des Impressionismes in Giverny

Der Grund meiner Reise war eine Verabredung mit dem Leiter des Musée des Impressionismes in Giverny, Frédéric Frank. Das Museum ist ein moderner Flachbau an der Rue Claude Monet mit Ausstellungsräumen unterhalb des Straßenniveaus. Etwa 200.000 Besucher im Jahr kommen hierher. Zu seinen Initiatoren gehörten 1992 u. a. das Musée d’Orsay, Paris, und die Terra Foundation, Chicago, weshalb das Haus mit exzellenten Bildern aufwarten kann. Dieser Umstand und der Mythos Giverny machen das Musée des Impressionismes zu einem idealen Partner für ein gemeinsames Projekt. Umso schöner, dass Frédéric Frank seinerseits sehr an einer Zusammenarbeit mit der Liebermann-Villa interessiert ist. Am Sonntagnachmittag trafen wir uns im Hotel Bondy – wo man schon zu Monets Zeiten auf ein Glas Cidre oder Eau de vie (ein Ostbrand) zusammenkam. Am Montag setzten wir unsere von einer sehr persönlichen Atmosphäre geprägten Gespräche im Museum fort. Intensiv haben wir uns dabei über die Berührungspunkte zwischen dem deutschen und dem französischen Impressionismus unterhalten und erste Ideen für eine Ausstellung im Jahr 2018 entwickelt. Vielleicht kommt auf diese Weise nach Van Gogh auch einmal Monet an den Wannsee.


Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Museumsleiter der Liebermann-Villa am Wannsee