Sehnsucht nach Idylle – Max Liebermann und die Maler am Wannsee

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir am 20. Oktober die Ausstellung “Sehnsucht nach Idylle – Max Liebermann und die Maler am Wannsee” eröffnet. Seither kamen rund 5000 Gäste in die Liebermann-Villa, um die Werke Max Liebermanns und seiner Malerkollegen Anton von Werner, Carl Becker, Oscar Begas, Hugo Vogel und Philipp Franck zu betrachten.

Erstmalig zu sehen sind Gartenbilder des Malers Hugo Vogel, der nur einen Steinwurf entfernt von Liebermanns Garten seinen eigenen Wannseegarten hegte und pflegte und sprühend impressionistische Bilder schuf, die bisher noch nie in einer Ausstellung gezeigt worden sind. Besonders gefreut hat uns, dass zwei Nachfahren von Hugo Vogel und ihre Familien bei der Eröffnung zugegen waren. Dies macht deutlich, dass sich die Geschichte Wannsees höchst lebendig ins Hier und Heute transportieren lässt.  [...]  Mehr

Nach 95 Jahren zurück am Wannsee

Am 10. Juni haben wir bei bestem Wetter unsere diesjährige Sommerausstellung, „Max Liebermann und Paul Klee. Bilder von Gärten“ eröffnet. Schirmherrin der Ausstellung ist die Schweizer Botschafterin in Berlin, Christine Schraner Burgener, die Anfang Mai 2018 zur Sondergesandten der UNO für Myanmar ernannt wurde. Trotz ihrer neuen Aufgabe hat es sich Frau Schraner Burgener nicht nehmen lassen, die Ausstellung persönlich zu eröffnen. Sie hatte sich darüber hinaus eine ganz besondere Überraschung für die Eröffnung überlegt: Sie übergab das Liebermann-Gemälde „Große Seestraße“ von 1923 aus dem Besitz der Schweizer Botschaft als Dauerleihgabe an die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin.

Enthüllung des Gemäldes “Die große Seestraße” im ehemaligen Atelier Max Liebermanns in Wannsee

Das Gemälde „Große Seestraße“ hing seit 1948 in den Räumen der Schweizer Botschaft nahe dem Reichstag. Besitzer war der damalige Schweizer Gesandte, François de Diesbach, der als Leiter der „Heimschaffungsdelegation“ der Schweiz in Berlin tätig war. Er hatte das Werk im Dezember 1948 im Auktionshaus Leo Spik für sich gekauft. Er verstarb kurz darauf, 1949, bei einem tragischen Segelunfall auf dem Wannsee. Seine Frau, eine Engländerin, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks in Großbritannien aufhielt, kehrte nicht mehr nach Berlin zurück und erbat durch die Zusendung einer Liste, die persönlichen Gegenstände ihres Mannes zurück. Das Gemälde war nicht darauf verzeichnet. Daher verblieb es im Gebäude der Schweizer Botschaft. Die Witwe von Herrn de Diesbach verstarb 1984 und hinterließ keine Kinder. Über viele Jahre hing das Gemälde in der Botschaft. Zwischenzeitlich wurde es sogar mit einer Inventarnummer des Schweizer Bundesamtes versehen. Der originale Rahmen des Gemäldes ist leider nicht mehr erhalten. Der heutige Rahmen ist aus dem Jahr 2011.

Die UNO Sondergesandte Christine Schraner Burgener, Dr. Martin Faass, Dr. Hans Gerhard Hannesen (1. Vorsitzender der Max-Liebermann-Gesellschaft) und Viktor Vavricka von der Schweizer Botschaft

Das Gemälde „Große Seestraße“ zeigt eine Ansicht der von hohen Eichen gesäumten Straße Am Großen Wannsee, an die der Staudengarten des Liebermann-Grundstücks grenzt. Bei der Übernahme ihres Amts als Botschafterin in Berlin entdeckte Frau Schraner Burgener das bedeutende Liebermann-Gemälde in den Amtsräumen. Sie war sich sofort bewusst, dass dieser besondere Schatz einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss. Kein Ort war in ihren Augen hierfür besser geeignet als die Liebermann-Villa am Wannsee, wo das Werk einst entstanden war. Bei einem persönlichen Gespräch, das im Vorfeld eines Dinners zugunsten unserer Ausstellung „Max Liebermann und Paul Klee. Bilder von Gärten“ in den Räumen der Botschaft stattfand, eröffnete mir Frau Schraner Burgener ihre großherzige Absicht im Januar 2018. Am 10. Juni war es dann endlich soweit. Nach einer wissenschaftlichen Prüfung der Provenienz und einem Beschluss des Berner Bundesrates konnte das Gemälde „Große Seestraße der Liebermann-Villa als Leihgabe übergeben werden, wo es fortan einen prominenten Platz in unserer ständigen Sammlung einnehmen wird. Die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin dankt für diese großherzige Geste.

Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Direktor der Liebermann-Villa

Das Gemälde der “Großen Seestraße” ist in der Dauerausstellung der Liebermann-Villa zu sehen.

4 Millionen warten auf den nächsten Sonntag

Im Rahmen unserer Ausstellung „Streit am Wannsee“ hat das Literarische Colloquium in Kooperation mit der Liebermann-Villa am vergangenen Montag den Film Menschen am Sonntag gezeigt.

Schauspieler Hanns Zischler und der Direktor der Liebermann-Villa, Dr. Martin Faass, am Montag bei der Diskussion zum Film “Menschen am Sonntag” im Literarischen Colloquium

Menschen am Sonntag ist ein sehenswerter Stummfilm von Robert Sidomak und Edgar G. Ulmer, der auf einem Drehbuch von Billy Wilder basiert. Sie alle waren damals Newcomer im Filmgeschäft und wollten dem melodramatischen Stummfilm ihrer Zeit eine moderne Erzählung ohne Stars und Kulissen entgegensetzen. Der Film entstand in Berlin im Jahr 1929 und handelt von vier jungen Menschen, die nach einer langen Arbeitswoche u.a. als Taxifahrer, Verkäuferin oder Weinvertreter einen typischen Großstadt-Sonntag verbringen. Der Film enthält viele authentische und sehr sehenswerte Berlin-Aufnahmen, die in einer wilden Collage das Leben einer Großstadt einfangen: von Parkanlagen, Straßenszenen, Blicken aus der Stadtbahn oder vom Badetrubel im Strandbad Wannsee. Durch die Mischung von dokumentarischen Aufnahmen und Spielszenen mit Laiendarstellern und durch die auf starke Kontraste setzende Lichtführung bei der Charakterisierung der Figuren ist Menschen am Sonntag ein frühes Beispiel für den Realismus im Film.

Im Strandbad Wannsee werden Erinnerungsfotos geschossen; Filmfoto aus: Menschen am Sonntag

Der Zuschauer begleitet die vier Protagnisten, zwei junge Frauen und zwei junge Männer, bei ihrem Ausflug an den Wannsee, wo sich die Gruppe umzieht, baden geht, Schallplatten auflegt, ein Picknick macht und eine Bootstour unternimmt. Die Protagonisten durchleben eine Vielfalt von Emotionen, die von scheuer Schwärmerei über fröhliche Geselligkeit bis hin zu erotischer Zuneigung reichen, aber auch Momente von Eifersucht, Zurückweisung und Rohheit. Kennzeichnend für ihre Beziehung und vom Film als großstadttypisch inszeniert, ist ein hohes Maß an Leichtigkeit und Unabhängigkeit, aber auch Unverbindlichkeit. Die große Liebe, daran lässt der Film keinen Zweifel, wird sich aus diesem Wochenendabendteuer nicht entwickeln.
Der Film endet wie jeder Sonntag: mit dem Beginn der Arbeitswoche am Montag und mit dem Resümee: „ 4 Millionen warten auf den nächsten Sonntag“.

Der Film „Menschen am Sonntag“ kann vollständig über die Internet-Plattform YouTube angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=1hg_vL6lQ6I