Max Liebermann und Thomas Mann. Wie der Künstler den Schriftsteller und der Schriftsteller den Künstler sieht

Max Liebermann: Porträt Thomas Mann, um 1925, Kohle, 29 x 20 cm, die Lübecker Museen, Museum Behnhaus Drägerhaus

Im fünftenTeil unserer Gastblogging-Reihe „Wir feiern Liebermann!“ widmet sich Andrea Haarer, wissenschaftliche Volontärin am Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck, Max Liebermanns Porträt von Thomas Mann sowie Thomas Manns Text über Max Liebermann.

Andrea Haarer diskutiert Zeichnung und Text als Indizien für die gegenseitige Wertschätzung des Berliner Künstlers und des Lübecker Schriftstellers. [...]  Mehr

Max Osborn: Der bunte Spiegel

Am Freitag, dem 17. Oktober 2014 um 19:00 Uhr stellt der Herausgeber der Edition Memoria, Thomas B. Schumann, die Neuausgabe des Buches „Der bunte Spiegel“ von Max Osborn in der Liebermann-Villa vor.

Max Osborn, geboren 1870 in Köln, gestorben 1946 in New York, war Journalist und Schriftsteller. Er arbeitete in Berlin als Kunstkritiker für mehrere Zeitungen, von 1914 bis 1933 etwa bei der „Vossischen Zeitung“ und hat Künstlern wie Max Oppenheim oder Max Pechstein zum Durchbruch verholfen. Zudem war Osborn Mitglied der Ankaufkommission der Nationalgalerie. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme musste der Präsident des Verbandes deutscher Kunstkritiker und Mitgründer des Jüdischen Kulturbundes emigrieren. In New York arbeitete er für die Exilzeitung „Aufbau“.

Sein ebenfalls in New York erschienenes Buch „Der bunte Spiegel. Erinnerungen aus dem Kunst-, Kultur- und Geistesleben der Jahre 1890 bis 1933“ umfasst u.a. Porträts von Adolph Menzel, Josef Kainz, Max Reinhardt, Wilhelm von Bode und ist eingeleitet von Osborns Freund Thomas Mann.

Besuche bei Max Liebermann
(Auszug aus: Der bunte Spiegel)

Jahrzehnte hindurch zeigten die Berliner dem Fremden, und zeigten sich auch untereinander, den kleinen Aufbau auf dem flachen Dache eines der vornehmen alten Häuser, die den Pariser Platz umzogen, und sagten: „Da oben arbeitet Max Liebermann.“ Es ist das nördliche Nachbarhaus des Brandenburger Tores – „berlinischer“ konnte man nicht wohnen; ungemein bezeichnend für diese mit der preußischen Hauptstadt so eng verwachsene Familie, dass schon die Eltern des Künstlers das Haus gekauft hatten, dass er selbst später seine Zelte hier aufschlug. Es gab zwei Fensterfronten, die eine nach den Linden, die andere nach dem Tiergarten zu, alles rings war erfüllt von Berliner Wesen, Berliner Geschichte, Berliner Erinnerungen, interessanten und charakteristischen Ausblicken. […]

Es war ein altmodisches Haus, in den vierziger Jahren entstanden, ohne Fahrstuhl und ähnliche „amerikanische Einrichtungen“, auch der 87-jährige Max Liebermann klomm noch, bei allerdings seltenen Ausgängen, zu Fuß die in hübscher Linie gezogene Wendeltreppe zu seiner Wohnung im zweiten Stock hinauf. Droben fand der Besucher vor der Entreetür schon einen Vorgeschmack der Innenschätze: an den Wänden des Treppenhauses hingen einige der herrlichsten Menzel’schen Zeichnungen. Was so begann, setzte sich in den Zimmern fort: eine Sammlung erlesener Gemälde und Handzeichnungen breitete sich aus, delikate Franzosen und immer wieder Menzel, auch Gottfried Schadow, denn diese beiden Urberliner betrachtete der Hausherr als seine unmittelbaren künstlerischen Ahnherren. Nur ganz wenig von ihm selbst war dabei zu sehen, bis auf das frühe Bild der Gattin im Gartenstuhl – man kennt die Anekdote, wie er einem Gast, der erstaunt rief: „Hier sind ja gar keine Liebermanns!“ listig zuflüsterte: „Det wär‘ mir zu teuer!“

 

Karten für die Buchvorstellung erhalten Sie an unserer Abendkasse der Liebermann-Villa oder im Internet: www.liebermann-villa.de/veranstaltungen.html zum Preis von 6 € / 4 € erm.

 

Der Herausgeber Thomas B. Schumann, geboren in Köln-Lindenthal, studierte nach einer Tätigkeit im Buchhandel Germanistik und Geschichte in Bonn, Köln und München. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die deutsche Exilliteratur bekannt zu machen, nachdem er als 15-jähriger Schüler er eine Begegnung mit Thomas Manns Witwe Katia in Kilchberg bei Zürich hatte, die ihn sehr beeindruckt hat. Danach hatte er Kontakt zu vielen Exilautoren, so z. B. zu Günther Anders, Elias Canetti, Hilde Domin, Kurt Hiller, Irmgard Keun, Walter Mehring, Hans Sahl, Albert Vigoleis Tehlen oder Armin T. Wegner.

Thomas B. Schumann besitzt eine umfangreiche private Sammlung zur deutschen Exilkultur (diverse Nachlässe, Bilder, Bücher, Manuskripte, Dokumente), ist P. E. N.- Mitglied und erhielt den Kulturförderpreis der Stadt Hürth. [...]  Mehr