Am Montag 26. Juni schließt unsere jetzige Sonderausstellung Liebermann und der Sport. Hier sind 5 Gründe, die Ausstellung noch vor dem Schlusspfiff anzusehen!

Lernen Sie die berühmtesten Sportarten besser kennen

Zum Beispiel Tennis. Wussten Sie, dass Lawn-Tennis erst im Jahr 1874 erfunden wurde, von einem Major der britischen Armee, Walter Clopton Wingfield? Wingfield brachte ein transportables Spiel-Set unter dem Namen „Sphairistiké“ (von dem griechischen Wort „sphairos“, bedeutet Ball) auf den Markt. Das Spiel wurde schlagartig beliebt – der Name aber setzte sich nicht durch. Die Bezeichnung „Lawn Tennis“ geht angeblich auf Arthur Balfour, einen Freund von Wingfield (der später Premierminister Großbritanniens wurde), zurück.

In der Ausstellung sehen Sie Tennis-Gemälde, die Liebermann nur wenige Jahre nach der Erfindung des Sports an der holländischen Küste gemalt hat, zum Beispiel Tennis am Meer, das 1901 in Scheveningen entstand.

Sehen Sie den Sport, als es nur um Spaß ging

Für Liebermann und seine Zeitgenossen war der Sport in erster Linie eine gesellschaftliche Angelegenheit, ein nobler und eleganter Zeitvertreib, bei dem es nicht in erster Linie um Wettkampf oder Leistung ging. Diese Haltung ist in Liebermanns Bildern ganz deutlich zu erkennen, sei es bei den Tennis spielenden Damen, die lange und nicht funktionale Kleider tragen, oder bei den entspannten Szenen des Segelsports am Wannsee. In den 20er Jahren hat sich Liebermann daher sehr kritisch  gegen die Weiterentwicklung des Sports zum modernen Leistungssport ausgesprochen: „Ich glaub ganz bestimmt, dass die durch den Krieg hervorgerufene Überschätzung des Bizeps der Grund für die Verwilderung der Jugend ist. Ich bin nicht gegen den Sport, aber er soll den Leuten nicht sozusagen aufoktroyiert werden.Sport zur Erholung, schön. Aber nicht zum Selbstzweck. Eigentlich bin ich doch gar nicht mehr von heute, sondern von vor drei Generationen. In meiner Jugend sind wir auch geritten, geschwommen und gerudert, aber nur zum Vergnügen. Jetzt ist das eine forcierte Angelegenheit.“

Max Liebermann, Studie einer Tennisspielerin, 1901/02 © Privatbesitz


Bewundern Sie den frühen Einfluss der Fotografie auf die Malerei Liebermanns

Im Gegensatz zu vielen heutigen Malern arbeitete Liebermann grundsätzlich nicht mit Fotografien. Seine Sujets wurden vor Ort skizziert – in Pastell, Bleistift, Kohle oder Öl – bevor sie auf Basis dieser Skizzen auf die größeren Leinwände gebracht wurden. Trotzdem sieht man in dieser Ausstellung deutlich den Einfluss dieser noch sehr modernen Technik auf seine Kunst. Wie zum Beispiel bei den Polospieler in Jenischs Park aus dem Jahr 1903. Das Bild ist wie ein Schnappschuss komponiert: die Pferdegruppe auf der rechten Seite wirkt durch den Leinwandrand wie abgeschnitten. Die Pferde sind auch im Galopp dargestellt, anatomisch korrekt, mit den Beinen unter den Körper gezogen. Dieser Bewegungsablauf wurde erstmals in den 1870er Jahren durch die Fotoserien des britischen Fotografen Eadweard Muybridge bewiesen. Mit seiner Darstellungsweise zeigte sich Liebermann auf dem neuesten Stand der künstlerischen Diskussion.

Max Liebermann, Polospieler in Jenischs Park, 1903 © Privatbesitz

…sowie den Einfluss seiner französischen Vorgänger

In der Ausstellung hat man auch die Chance, ein echtes Meisterwerk der französischen Malerei zu bewundern: Vor dem Start von Edgar Degas, das uns aus der Stiftung Sammlung E. G. Bührle in Zürich zur Verfügung gestellt wurde. Liebermann war ein großer Bewunderer von Degas und besaß zahlreiche seiner Bilder in der eigenen Kunstsammlung. Wenn man das Bild Vor dem Start mit Liebermanns Polospieler vergleicht sind künstlerische Parallelen leicht zu erkennen: von der horizontal aufgebauten Komposition bis hin zur Darstellungsweise der Pferde.

Edgar Degas, Vor dem Start, um 1879/80 © Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich


Probieren Sie selber den Wassersport am Wannsee!

Unsere Sonderausstellung enthält auch einen Raum, der dem Wassersport am Wannsee gewidmet ist. Der Aufschwung des Segelsports am Wannsee fiel genau in jene Zeit, in der Liebermann seine Villa am Wannsee errichtete. Als Liebermann 1910 sein neues Sommerhaus bezog, wurde nur wenige Grundstücke entfernt, beim „Verein Seglerhaus am Wannsee“ der prächtige Neubau des Clubs eröffnet. Die weißen Segel der Boote gehörten damit bei Liebermann zum Ausblick auf den Wannsee untrennbar dazu. Das ist auch heute noch so: Segelboote überall. Und für alle, die kein eigenes haben: Am Flensburger Löwen oder in der Nähe des Strandbades kann man Boote jeder Art mieten – die perfekte Ergänzung zu einem Nachmittag in der Liebermann-Villa.

Blick auf den Wannsee mit Booten

 


Autorin: Dr. Lucy Wasensteiner

Dr. Lucy Wasensteiner arbeitet als Kuratorin für die Liebermann-Villa.