Einige Regionen in Deutschland haben die fünfte gerade beendet, Karl Förster wusste von sieben, aber am geläufigsten sind uns die vier Jahreszeiten. Für uns Gärtnerinnen und Gärtner sind aber noch weitaus mehr Differenzierungen der klassischen Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter interessant. Man nennt sie die „phänologischen Jahreszeiten“, zehn an der Zahl. Diese Einteilung beruht auf wiederkehrenden Entwicklungsstadien bestimmter Pflanzen im Jahresablauf.

Zwergiris im Liebermann-Garten
Zwergiris im Liebermann-Garten

Der Frühling – wie auch der Sommer und der Herbst – unterteilt sich in drei Phasen: Der Vorfrühling (zwischen Januar und März) lässt Haselnuss, Schneeglöckchen und Zwergiris blühen. Die zweite Phase des Frühlings ist unser erster gefühlter Frühling, der Erstfrühling. In dieser Jahreszeit, in den Monaten März und April, zeigen sich die Blüten der Beerensträucher und einiger Obstbäume wie Pfirsich, Aprikose und Kirsche. Im Heckengarten strecken vor der noch kahlen Hainbuchenhecke Narzissen ihre Blüten in die Höhe. Der zartgrüne Blattaustrieb der Birken und anderer Laubgehölze stimmt uns auf den Vollfrühling ein.

Frühblüher verschönern im Frühling den Garten
Im “Erstfrühling” verschönern Narzissen die Heckengärten im Liebermann-Garten

Mit der Apfelblüte Ende April beginnt die Hochzeit der schönsten Blütenpracht und endet im Mai mit der Blüte des Flieders und zahlreichen frühblühenden Stauden wie Wieseniris, Spornblume, Frauenmantel und Pfingstrose. Diese drei Phasen des Frühlings können je nach Witterung und Region zeitlich stark variieren.
Der Sommer beginnt im Juni mit den Blüten der Robinie. Die Staudenbeete stehen nun in voller Blüte. Unsere Imkerin wird ihren ersten Honig aus der Frühtracht schleudern. Auf den Frühsommer folgt der Hochsommer im Juli mit der Lindenblüte. Jetzt beginnt auch die Erntezeit, unsere Kirschen und Beeren sind reif.
Die Blüten der japanischen Herbstanemonen im August läuten den Spätsommer ein.
Im frühherbstlichen September werden unsere Zwetschgen gepflückt. Im Vollherbst, der Ende September beginnt und bis Ende Oktober anhält, werden unsere Quitten gelb und die Äpfel schmecken besonders gut. Der Wein an der Fassade der Villa verfärbt sich rot und einige Laubbäume werfen die ersten Blätter ab. Dieses ist die schönste Phase des Herbstes, die Laubfärbung lässt viele Bäume noch einmal leuchten.
Der Spätherbst beginnt mit dem Blattabwurf der Kastanien und der Herbstfärbung der Eichen. Diese dritte Herbstphase endet mit dem Blattfall der Eichen Anfang Dezember. Danach beginnt der doch nur scheinbar lange Winter, in dem fast alle Laubgehölze die Blätter verloren haben und die Vegetation ruht. Der Winter endet mit der Haselnussblüte, manchmal schon Ende Januar.

Ehrenamtliche Gärtnerinnen bei der Frühjahrsbepflanzung im Liebermann-Garten
Ehrenamtliche Gärtnerinnen bei der Frühjahrsbepflanzung im Liebermann-Garten

Das Gartenteam der Liebermann-Villa beginnt selbstverständlich im allerersten Frühling der Saison mit der Arbeit. Ab 1.März werden wir zunächst die Erinnerungen an den Spätherbst beseitigen und dann, wie gewohnt, die Blütenfülle des Vollfrühlings vorbereiten. Wenn dann die ersten Bienen fliegen, die ersten Zugvögel am Himmel zu sehen sind und ein einsamer Schmetterling nach Nektar sucht, wissen wir, dass jetzt wieder eine neue Jahreszeit angebrochen ist.


Autorin: Kirsten Plathof

Kirsten Plathof ist Gärtnermeisterin der Liebermann-Villa