Seit vier Jahren besteht eine Kooperation zwischen der Nordgrundschule Zehlendorf und der Liebermann-Villa am Wannsee, deren Ziel es ist, Grundschüler mit einem besonderen Kunst-Ort in ihrem Bezirk vertraut zu machen. In diesem Jahr kamen zwei vierte Schulklassen an vier Terminen in die Liebermann-Villa an den Wannsee, um etwas über das Leben des Künstlers und seiner Familie sowie über das Sommerhaus und den Garten zu erfahren. Bei Bildbetrachtungen, Zuordnungs- und Stehgreifspielen und beim Malen eigener Bilder unter den Birken im Liebermann-Garten wurden die Schüler von zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen (der Kunsthistorikerin Verena Schermer und der Kunst- und Museumspädagogin Ingrid Heilmann) betreut und angeleitet.

Nordgrundschule
Schülerbild von der weißen Bank im Wannseegarten

Das Malen von Bildern im Garten war eine ganz besondere Herausforderung für die Schüler: Eine Schulklasse malte auf großformatiger Raufasertapete, deren Struktur einen besonderen Bildgrund darstellte. Viele verschiedene Grüntöne wurden gemischt und mit dickem Pinsel auf das Papier aufgetupft, bis das ganze Blatt vollständig mit Büschen, Bäumen und Gras ausgefüllt war. Nachdem dieser Bildgrund getrocknet war, wurde mit dicker weißer Farbe eine Bank hinein gemalt. Die andere Klasse malte auf kleinerem Format den Blick auf die Liebermann-Villa. Die Schüler bemühten sich, alle Details wie z. B. Säulen möglichst naturgetreu darzustellen.

Nordgrundschule
Schülerinnen und Schüler der Nordgrundschule erzählen Museumsbesuchern von Max Liebermann und seinen Gemälden

Den Abschluss dieses Projekts bildete eine Ausstellung der von den Schülern gemalten Bilder im Garten der Liebermann-Villa. Einige Schüler hatten sich darüber hinaus kleine Texte zu Max Liebermann und seiner Familie erarbeitet; diese Texte trugen sie – gekleidet entsprechend der Mode um 1900 – Museumsbesuchern vor, die im Garten der Liebermann-Villa flanierten. Die Gäste waren beeindruckt und begeistert von den lebhaften und mit großem Ernst vorgetragenen Schilderungen der Schüler. Beispielsweise sagte ein 10-jähriger in der Rolle des Max Liebermann: „Ich wurde 1847 in Berlin geboren und starb 1935 in Berlin – also eigentlich bin ich ein Geist, denn – wie gesagt – ich starb bereits 1935.“ Doch weder der kleine Liebermann noch die anderen dargestellten Familienmitglieder hatten an diesem sonnigen Julitag etwas Geisterhaftes. Auf spielerische Weise gelang es den Schülern, den Maler und seine Familie in seinem Garten wieder lebendig werden zu lassen.


Autorin: Ingrid Heilmann

Ingrid Heilmann ist Kunst- und Museumspädagogin. Sie arbeitet ehrenamtlich in der Liebermann-Villa am Wannsee