Das Telefon klingelt. „Hallo, hier ist Ronald Liebermann“, meldet sich eine Stimme am anderen Ende. Der Name entlockt mir automatisch ein Lachen, da in der Liebermann-Villa nur sehr wenige Menschen dieses Namens anrufen – und die meisten davon kennen wir natürlich schon längst.

(Es rufen aber regelmäßig Menschen an, die einen gewissen „Herrn Liebermann“ am Telefon sprechen möchten. Meist geht es um ein Geschäftsangebot und der uninformierte Anrufer hält besagten „Herrn Liebermann“ für den Geschäftsführer der Liebermann-Villa – immer ein großer Spaß für die ehrenamtlichen Damen, die unser Büro besetzen…)

Der Anrufer am anderen Ende der Leitung heißt aber tatsächlich „Liebermann“, wenn er auch in keinem Verwandtschaftsverhältnis zum Maler steht und er schlägt ein Angebot vor, das für die Liebermann-Villa höchst interessant klingt: einen W-Lan basierten Multimediaguide, der auf dem eigenen Smartphone genutzt werden kann.
Wenige Tage später steht Herr Liebermann in persona vor uns und stellt die Technik und das System seines Berliner Startup Unternehmens „shoutr labs“ vor, dessen Mitbegründer er ist.

Dazu muss man wissen, dass Vorstand und Museumsteam der Liebermann-Villa schon seit Längerem überlegen, wie der hauseigene Audioguide der Liebermann-Villa erneuert werden kann. Unser altes Audio-System leistete seit der Eröffnung des Hauses als Museum (also nun genau 10 Jahren lang) gute Dienste. Es verhielt sich damit aber zuletzt wie beim Silvester-Countdown: Wir konnten die noch funktionierenden Geräte langsam immer weiter herunterzählen.

img_7221
Die vier Gründer von shoutr labs: Ronald Liebermann, Sebastian Winkler, Christian Beier und Benjamin Werner

Da unsere Geräte hoffnungslos veraltet und über einen längeren Zeitraum nicht mehr erhältlich waren, die Reparaturen häufig und kostspielig und die Inhalte für uns schwer zu aktualisieren waren und darüber hinaus die technischen Möglichkeiten (und Anforderungen der Besucher) einen komplett neuen Stand erreicht hatten, war dies der Anlass für eine Neuorientierung.

Ein wichtiger Ansatzpunkt für unsere Überlegungen war dabei der Trend zur Nutzung des eigenen Smartphones im Museums-Vermittlungsbereich. Laut einer Studie des Digitalverbandes Deutschland (Bitkom) aus dem letzten Jahr sollen inzwischen 63 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren ein Smartphone nutzen, was laut Bitkom etwa 44 Millionen Menschen sind. Und alle diese Menschen nutzen ihr Smartphone nicht allein zum Telefonieren oder SMS-schreiben: Mehr als 90 Prozent davon greifen– laut der Studie – mit dem Smartphone auf das Internet zu, 70 Prozent nutzen damit soziale Netzwerke und immer noch 47 Prozent schauen Videos auf dem Smartphone an. Die Tendenz ist hierbei weiter steigend.

screenshot
Eine neue Möglichkeit des Guides: Pflanzen-
bestimmung per Bild und Farbe

Die Idee von Ronald Liebermann und shoutr labs war nun, diese Technologie zu nutzen, die fast jeder von uns schon in seiner Tasche mitschleppt. Ähnlich wie beim Erstellen einer Website kann das Museumsteam mit der neuen Technik alle Vermittlungsinhalte selbst erzeugen, verwalten und nach Belieben verändern. Die Besucher greifen mit einem WLAN-Passwort, das sie an der Kasse erhalten, auf die Inhalte zu. Sie bekommen auf ihrem Handy eine schön gestaltete und einfach zu bedienende Oberfläche zu sehen, von der aus sie die verschiedenen Inhalte nutzen können und müssen nicht ins Internet gehen, um darauf zuzugreifen.
Was unser Team aus eigener Erfahrung nicht wollte: Die Besucher sollten sich nicht erst eine „App“ in einem App-Store im Internet herunterladen müssen, um die Museumsinhalte nutzen zu können. Die Nutzung der Inhalte sollte – wie auch das ganze System – möglichst einfach gehalten werden. Die W-Lan-Variante mit Zugangscode, der an der Kasse erworben wird, schien uns hierfür die am besten geeignete Lösung.

Wobei natürlich auch klar ist, dass hierbei auch viele alte Smartphone-Modelle im Spiel sind, weshalb gerade beim Einsatz neuester Technik auf einige neue Leihgeräte nicht komplett verzichtet werden kann, damit alle Besucher die Inhalte nutzen können. Langfristig gesehen, wird wahrscheinlich aber auch der Anteil dieser Besucher abnehmen.

Was allerdings die beste Technik dem Museumsteam nicht abnehmen kann: die Reduktion auf die wesentlichen Vermittlungsinhalte zu finden und hierbei eine gute Mischung verschiedener Vermittlungsformen einzusetzen. Die Suche nach dem am besten geeigneten Konzept hat also beinahe den meisten Zeitaufwand gekostet.

dsc02025
Ob mit eigenem Handy oder mit Leihgerät: Das neue Multimedia-System kommt gut an

Aber das System ist jetzt am Start und kommt gut bei den Besuchern an! Wir haben langsam angefangen und haben was die technischen und inhaltlichen Möglichkeiten angeht noch viel Spielraum. Wir denken, dass wir mit den von uns erstellten Inhalten die für uns momentan beste Kombination gefunden haben. Im Vermittlungs-Angebot sind mit dem neuen Multimedia-Guide für unsere Besucher nun Audioinhalte, Filme, Textinformationen, visuelle Eindrücke (Panoramen) und eine Möglichkeit zur Bestimmung der Pflanzen im Liebermann-Garten. Vielleicht kommt zu einem späteren Zeitpunkt noch viel mehr dazu!

Wir hoffen, Ihnen – unseren Besuchern – den Aufenthalt in der Liebermann-Villa mit unserem neuen Multimediasystem noch interessanter gestalten zu können und würden uns freuen, wenn Sie das neue System einmal ausprobieren!

Wir freuen uns auf Ihr Feedback!


Autorin: Sandra Köhler (Presse)