Titelmotiv unserer aktuellen Ausstellung „Im Banne der Verwüstung – Max Liebermann, Max Slevogt und der Erste Weltkrieg“ ist das Slevogt-Gemälde „Mondnacht Neukastel – Blick auf die Madenburg bei Mondschein“ von 1917. Das Bild entstand in Neukastel in der Pfalz, wo Slevogt mit seiner ganzen Familie auf einem eigenen Anwesen die Sommer verbrachte. Der Slevogt-Hof liegt ganz in der Nähe der Madenburg, einer der größten Burgruinen der Region. Wir nehmen dies zum Anlass, Ihnen das Gemälde ein wenig näher vorzustellen.

Orlik war 8 Tage hier u. wir haben furchtbar gearbeitet – sogar nachts – nemlich Mondscheinstudien u. bilder.“ schrieb Slevogt an den Berliner Kunsthistoriker und Schriftsteller Johannes Guthmann auf die Rückseite der Todesanzeige seiner Schwiegermutter Johanna Finkler. Mit seinem Berliner Malerfreund Emil Orlik war er von Neukastell losgezogen und hatte „mit einem Taschenlämpchen die Farben der Palette anleuchtend, Mondschein und Nachtbilder gemalt, um zu versuchen, ob man nicht über das poetische Ungefähr einer nächtlichen Stimmung bei Schwind und Spitzweg hinaus zu einer erdverwandteren und tieferen malerischen Schönheit vordringen könne.“ (Guthmann, 1955).

 

Max Slevogt, Mondnacht Neukastel - Blick auf die Madenburg bei Mondschein. 1917 © GDKE, Landesmuseum Mainz, Max Slevogt-Galerie
Max Slevogt, Mondnacht Neukastel – Blick auf die Madenburg bei Mondschein. 1917 © GDKE Rheinland-Pfalz, Landesmuseum Mainz, Max Slevogt-Galerie

Slevogts „Mondnacht Neukastell“ zeigt den Nachthimmel über den Hängen der Madenburg. Der stechend weißgelbe Mond wird von grauen und braunen Schleiern gerahmt, die den dunkelblauen Nachthimmel verhängen. Es entsteht ein düsterer unheilvoller Eindruck, da auch die Hänge der Burg in tiefstes Dunkel getaucht sind und kein Lichtschein die Landschaft erhellt.

Das Gemälde spiegelt die gedrückte Stimmung des Malers wider, die ihn nach anfänglicher Begeisterung für den Krieg schon Ende 1914 erfasste. Seine Erlebnisse als Frontmaler ließen Slevogt nicht zur Ruhe kommen. Wenige Tage vor der Entstehung des Bildes hatte er die Nachricht erhalten, dass sein Freund General Wenninger an der Front in Rumänien gefallen war. An Guthmann schrieb Slevogt, dass das „trübseligste Wetter – Regen und Wind – die musikalische Begleitung zu den inneren Erlebnissen“ bildete.

 

Ausstellung
Im Banne der Verwüstung – Max Liebermann, Max Slevogt und der Erste Weltkrieg
2. November 2014 – 9. März 2015
Täglich außer dienstags 11 – 17 Uhr
An Feiertagen geöffnet, am 24. und 31.12. geschlossen


Autorin: Sandra Köhler – Presse