Unsere wissenschaftliche Volontärin, Dr. Lucy Watling, hat das letzte Dreivierteljahr intensiv an der Ausstellung „Max Liebermann – Biergärten und Caféterrassen“ gearbeitet. In diesem Blog fasst sie kurz vor der Eröffnung die Arbeit der letzten Monate zusammen.


Es ist vielleicht ganz passend, dass wir uns in diesen herrlichen Maitagen in den letzten Vorbereitungen für die Ausstellung über Max Liebermanns Darstellungen von Biergärten und Caféterrassen befinden. Diese Werke waren tatsächlich eine sommerliche Tradition für den Künstler. Ab Ende der 1870er Jahre, egal ob er sich in Bayern, Holland oder am Wannsee befand, suchte Liebermann immer wieder Cafés und Restaurants im Freien auf, um deren Gäste in Bleistift, Tinte oder Ölfarbe festzuhalten.

Unsere ersten Pläne für diese wohl sommerlichste all unserer Sommerausstellungen begannen aber im tiefsten Winter, als wir den Kontakt zu Museen und Privatsammlern aufnahmen, um sie nach ihren Biergartenbildern zu fragen. Leihanfragen wurden entsprechend gestellt und – trotz der Dezemberkälte – stießen wir auf begeisterte Zustimmung. Bald hatten wir Zusagen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz: Eine beeindruckende Auswahl von Bildern, die die gesamte Entwicklung der Gartencafés Max Liebermanns sehr deutlich darstellte.

Max Liebermann, Elbblick – Terrasse an der Elbe – Restaurant Jacob, 1902 © Hotel Louis C. Jacob

Vom Hotel Louis C. Jacob in Hamburg wurde uns beispielsweise ein wunderbares Ölgemälde zugesagt, das ein Paar auf der berühmten Lindenterrasse des Hotels zeigt. Liebermann hatte das Bild während eines Aufenthalts im Hotel im Jahr 1902 gemalt. Es wurde 1911 über die Galerie Paul Cassirer verkauft und war während des 20. Jahrhunderts durch Privatsammlungen in New York, London und Zürich gewandert. Erst im Jahr 1995 kam das Bild „nach Hause“, als es für das Hotel Louis C. Jacob angekauft wurde.

Die Galerie Ludorff in Düsseldorf sagte uns drei Werke zu, darunter eine zarte Tintenzeichnung eines Kaffeegartens in Bad Wildbad. Aus Liebermanns Briefen wissen wir, dass er sich Juli 1893 in diesem Kurort in der Nähe von Stuttgart aufhielt, um seinen schwer erkrankten Vater zu besuchen. Wie der Künstler am 7. August schrieb, war diese „wohl die traurigste Zeit meines Lebens“. Trotzdem setzte er seine Biergarten-Werkreihe unbeirrt fort.

Max Liebermann, Gartenlokal in Laren, um 1903
© Fondation Sonia et Edward Kossoy,
Foto Ilmari Kalkkinen

Auch ein schönes Pastell eines holländischen Biergartens aus der Sammlung der Fondation Sonia et Edward Kossoy in Genf wurde uns vermittelt. Der Rechtsanwalt Edward Kossoy (1913-2012) wurde als Sohn jüdischer Eltern in Polen geboren. Nachdem seine Familie im Holocaust umgekommen war, leistete er nach dem Krieg Pionierarbeit im Bereich Wiedergutmachungsrecht: Etwa 60.000 Mandanten verhalf er während der 1950er und 60er Jahren zu ihren Ansprüchen gegen den deutschen Staat.

Eine weitere wichtige Leihgabe in der Ausstellung ist das Gemälde Gartenlokal an der Havel – Nikolskoe aus der Sammlung der Nationalgalerie in Berlin. Das Bild von 1916 zeigt eine der ersten Caféterrassenszenen, die Liebermann am Wannsee gemalt hat.

Auch die Arbeiten am Katalog zur Ausstellung begannen noch bei winterlichen Temperaturen mit der Auswahl der Autoren und dem Fotografieren der Ausstellungsstücke; ein Grafiker wurde beauftragt, die Bilder und fertigen Texte zusammenzustellen.

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Postkartenansicht vom Restaurant Schwedischer Pavillon nahe der Liebermann-Villa, 1914

Im Januar fingen auch unsere Nachforschungen an, die dargestellten Biergärten und Caféterrassen zu identifizieren und ihre Verbindung zu Max Liebermann zu rekonstruieren. Besonders faszinierend hierbei war die Recherche über die verschiedenen Gartenlokale rund um den Wannsee: von dem am Bahnhof gelegenen Kaiserpavillon (wo sich heute die „Loretta“ befindet) bis zum Schwedischen Pavillon (nur einige Häuser von der Liebermann-Villa entfernt), wo der Künstler 1927 seinen 80. Geburtstag feierte, und den eher abgeschiedenen Lokalen Moorlake und Nikolskoe.

Mit dem beginnenden Frühling rückten die praktischen Aspekte der Ausstellungsplanung in den Vordergrund. Leihverträge mussten unterschrieben und Versicherungen für die Bilder organisiert werden. Das Ausstellungslayout musste finalisiert werden und die Ausstellungsräume neu gestrichen werden – was natürlich nur außerhalb der Öffnungszeiten stattfinden konnte. Wandtexte und Schilder wurden angefertigt und sowohl in unserem „Café Max“ als auch im Shop wurde neue Ware bestellt, um eine „Biergärten-Stimmung“ hier in der Villa zu schaffen.

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Restaurator Oliver Wenske protokolliert die Biergarten-Gemälde.

Und jetzt also sind wir soweit! Mit Beginn des Sommers fing die vielleicht wichtige Etappe des Ausstellungsprozesses an: die Bilder nach Berlin zu bringen. In den letzten eineinhalb Wochen wurden 21 Ölgemälde, 3 Pastelle, 12 Zeichnungen und 4 grafische Werke in klimatisierten Spezialfahrzeugen in die Liebermann-Villa transportiert und unter dem wachsamen Blick unseres Restaurators, Oliver Wenske, ausgepackt, geprüft, und protokolliert. Und danach natürlich gehängt, rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, dem 29. Mai. Danach haben auch wir uns ein Bier verdient!

Cheers!


Autorin: Dr. Lucy Watling

Dr. Lucy Watling ist wissenschaftliche Volontärin an der Liebermann-Villa.

Die Ausstellung „Max Liebermann – Biergärten und Caféterrassen“ ist vom 29. Mai bis 12. September 2016 in der Liebermann-Villa zu sehen. Die Vernissage ist am 29. Mai um 11 Uhr.