Vor einigen Wochen fiel uns ein Meisenkasten an der Kastanie direkt an unserem großen Eingangstor auf. Das Einflugloch war bis auf eine kleine Öffnung verschlossen und Hornissen flogen aus und ein. Ein Grund zur Panik? Auf jeden Fall wollten wir dieses Nest erst einmal loswerden, auch zum Schutz unserer Besucher. Ein Anruf bei einer Schädlingsbekämpfungsfirma klärte uns jedoch auf: Hornissen stehen unter Naturschutz und sie können nicht so einfach entfernt werden.

Der Nistkasten mit Hornissennest im Liebermann-Garten, Foto: Kirsten Plathof

Dr. Melanie von Orlow, Vorstandsmitglied beim NABU und Hornissenexpertin beruhigte uns, denn vieles, was uns beim Anblick von Hornissen in Panik versetzt, sind übertriebene Vorurteile. So ist auch die Annahme, dass 7 Stiche ein Pferd und 3 Stiche einen Menschen töten, ein moderner Mythos. Hornissen sind in der Regel „friedliche Brummer“ und stechen nur, wenn man sich unvorsichtig ihrem Nest nähert oder wenn man sie quetscht. Im Gegensatz zu Wespen, die in bestimmten Situationen Menschen anfliegen und auch unprovoziert stechen können, ergreifen Hornissen in Konfliktsituationen eher die Flucht. Störungen, wie heftige Bewegungen, das Blockieren der Flugbahn und Erschütterungen am Nest müssen natürlich vermieden werden.

Es gibt in kritischen Situationen (auf dem Balkon, direkt am Hauseingang, etc.) die Möglichkeit, ein Hornissenvolk umzusiedeln. Diese Maßnahme wird vom NABU durchgeführt und ist kostenpflichtig. Da sich unser Nest aber am Baum befand, sahen wir keinen Anlass zu dieser Maßnahme.

Durch die anhaltenden Regenfälle und die große Last ist der Meisenkasten samt Hornissenvolk nun vor zwei Wochen vom Baum gefallen, daher auch die Absperrung im Beet neben unserem Tor. Wir wollen verhindern, dass jemand in hilfsbereiter Absicht den Kasten aufhebt.

Eine Absperrung sichert nun den herabgefallenen Nistkasten mit dem Hornissen-Nest am Tor der Liebermann-Villa

Die desorientierten Hornissen versuchen jetzt, ihre Brut zu retten und ein neues Nest in dem heruntergefallenen Kasten zu bauen. Dies stellt, wie uns wiederum Frau Dr. von Orlow bestätigte, keine Gefahr dar, wenn man den erforderlichen Abstand einhält. Das Hornissenvolk hat unten am Boden aber nur geringe Überlebenschancen, da es dort zu feucht ist.

So bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten und durch die Absperrung den gebührenden Abstand zum noch existierenden Nest zu bewahren. So besteht auch keine Gefahr für unsere Gäste.

Der Lebenszyklus eines Hornissenvolkes endet dann Herbst: Die Jungköniginnen werden noch von den Drohnen begattet, die anschließend  bis etwa Ende Oktober absterben. Um diese Zeit, meist früher, endet auch die Lebenszeit der alten Königin und die der letzten Arbeiterinnen und damit auch die Zeit des Nestes.


Autorin: Kirsten Plathof

Kirsten Plathof ist Gärtnermeisterin der Liebermann-Villa

Weitere Informationen zu Hornissen finden Sie auf der Internet-Seite des NABU: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/wespen-und-hornissen/00492.html