Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Neue Gärten“ in der Liebermann-Villa wollen wir Sie mit einigen wichtigen Persönlichkeiten der Gartenreformbewegung bekannt machen. Die Reihe beginnt mit Erwin Barth.


Erwin Albert Barth (1880-1933) war von 1912 bis 1926 Gartendirektor von Charlottenburg und anschließend von Groß-Berlin. Er gestaltete in seiner Amtszeit zahlreiche Berliner Stadtplätze und Parks, die im Sinne der Lebensreformbewegung allen Menschen Licht, Luft und Sonne bringen sollten. Dazu gehören der Volkspark Jungfernheide, der Mierendorffplatz, der Brixplatz, der Savignyplatz, der Boxhagener Platz, der Volkspark Köpenick, der Volkspark Mariendorf, der Luisenstädtischer Kanal, der Lietzenseepark u.v.a.

Erwin Albert Barth, um 1905

 

Erwin Barth verstand seine Tätigkeit in erster Linie als soziale Aufgabe für die Gartenkunst:

„Wenn irgendwo eine reiche Ausstattung der Plätze mit verschwenderischer Blumenfülle, mit Brunnen und dergleichen angebracht ist, so ist es da, wo Leute wohnen, welche sich keine eigenen Gärten leisten können.“ (Erwin Barth, 1913)

Er war ein Gartenarchitekt, der in visionärer Weise die architektonische Zukunft der wachsenden Großstadt Berlin in die Hand nahm. Das rasante Wirtschaftswachstum Ende des 19. Jahrhunderts hatte die fortschreitende Industrialisierung und den Verstädterungsprozess mit vielen negativen Begleiterscheinungen für die hier lebenden Menschen beschleunigt. Es entstanden die sprichwörtlichen Mietskasernen, die kaum ein Fleckchen Grün zwischen den Bebauungen übrig ließen.

 

Der reformorientierte Gartenkünstler und Anhänger der Volksparkbewegung Erwin Barth setzte dagegen – unbeirrt von bürokratischen Barrieren – seine Idee von der Wichtigkeit innerstädtischer Grünanlagen und Volksparks. Die Schaffung von grünen Stadträumen getreu seinem Motto „Spiel, Ruhe und Schmuck“ sind Barths Vermächtnis.

Plan für den Volkspark Jungernheide

Die Bewahrung des Barthschen Erbes in Berlin ist vornehmlich ein Verdienst von Dr. Klaus Henning von Krosigk, der von 1978-2011 Gartenbaudirektor beim Landesdenkmalamt Berlin war. Er ließ er die von Barth gestalteten Plätze und Parks restaurieren, u.a. den Luisenstädtischen Kanal in Berlin-Kreuzberg. So erfüllen auch heute noch viele Grünanlagen Berlins die ursprünglichen Ideen im Sinne Erwin Barths – Zugang zur Natur und Erholung im Freien für alle.

Entwurf für einen Villengarten bei Potsdam, 1901, Architekturmuseum der TU Berlin

In unserer Ausstellung „Neue Gärten“ sind Originalpläne und kunstvolle Zeichnungen dieses bemerkenswerten Gartenkünstlers zu sehen. Sie werden heute hauptsächlich im Architekturmuseum der TU Berlin aufbewahrt.


Autorin: Kirsten Plathof

Kirsten Plathof ist Gärtnermeisterin der Liebermann-Villa