Am letzten Samstag wurde in der Kunsthalle Bremen eine großartige Liebermann-Ausstellung eröffnet: Max Liebermann – Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport. Diese Ausstellung ist in Kooperation mit der Liebermann-Villa am Wannsee entstanden und wird im kleineren Format ab 19. März 2017 auch in der Liebermann-Villa in Berlin zu sehen sein.

Die Kunsthalle Bremen ist schon in der Vergangenheit immer wieder mit großen Liebermann-Ausstellungen hervorgetreten. Die letzte vor 21 Jahren trug den Titel „Nichts trügt weniger als der Schein“ – Max Liebermann der deutsche Impressionist. Wie den Freunden der Liebermann-Villa spätestens seit unserer Ausstellung Die Papageienallee am Wannsee wohl bekannt ist: Die Kunsthalle Bremen hat eine hervorragende Liebermann-Sammlung. Den Grundstein hierfür legte der legendäre Direktor der Kunsthalle, Gustav Pauli, der mit Max Liebermann persönlich gut bekannt war. Diese enge Verbindung zwischen Liebermann und Bremen war auch der Grund dafür, dass im Jahr 2000 die stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Bremen, Dr. Dorothee Hansen, in den wissenschaftlichen Beirat der Max-Liebermann-Gesellschaft gebeten wurde, der die Liebermann-Villa seither fachlich begleitet.

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Max Liebermann, Tennisspieler, 1901, Angermuseum Erfurt

In einer Sitzung dieses Gremiums stellte Dorothee Hansen ihre Idee zu einer Ausstellung über „Liebermann und der Sport“ zum ersten Mal vor. Schnell entwickelte sie daraus ein konkretes Konzept. Gemeinsam fassten wir den Plan, die Ausstellung als Kooperationsprojekt zwischen der Kunsthalle Bremen und der Liebermann-Villa zu realisieren.

Als größerer Partner und erste Station übernahm die Kunsthalle Bremen die Leihanfrage-Korrespondenz und die gesamte Ausstellungsorganisation. Hier tat sich in Bremen die dem Projekt zugeordnete junge Kollegin Dr. Lena Schrage besonders hervor. Die Liebermann-Villa steuerte ihre Fachkompetenz und eigene Leihgeberkontakte zum Projekt bei und konnte einige wichtige Leihgaben sichern helfen. Neben den Gemälden, Pastellen und Zeichnungen von Liebermann sind zum Vergleich Werke von Zeitgenossen zu sehen: Gustave Caillebotte, Henri de Toulouse-Lautrec, Edgard Degas, John Lavery, Max Slevogt und Renée Sintenis. Mit Leihgaben aus Stockholm, Washington und Winterthur bietet die Ausstellung einen hervorragenden Überblick über das Thema.

Im Hinblick auf die deutlich unterschiedliche Größe der Ausstellungsflächen in der Kunsthalle Bremen und der Liebermann-Villa, wurde die Ausstellung von Anfang an in zwei Formaten geplant: mit 150 Objekten für Bremen und mit 45 für Berlin. Die jetzt in Bremen eröffnete Ausstellung beginnt mit einem großen Saal über Liebermanns Werk vor der Auseinandersetzung mit dem Sport. Diesen Saal werden wir für Berlin ebenso wenig übernehmen wie den großen Saal am Ende der Bremer Ausstellung, in dem Dorothee Hansen eine exzellente Auswahl von Boxerdarstellungen versammelt. Diese Werke markieren das Ende des bürgerlichen Freizeitvergnügens, wie wir es aus Liebermanns Bildern kennen, in den zwanziger Jahren. Auch das in Bremen mit großartigen Leihgaben besetzte Kapitel „Reiten am Strand“ lassen wir in Berlin aus, da wir es in der Ausstellung Max Liebermann am Meer 2011 schon einmal in ganzer Breite präsentiert hatten. Für Berlin werden wir uns ganz auf die übrigen Kapitel der Ausstellung konzentrieren und diese in thesenhaft verknappter Form präsentieren: Badende, Pferderennen, Polospiel, Tennis und Segeln. Dabei werden alle wichtigen Werke auch in Berlin zu sehen sein. Es gibt sogar einzelne Spitzenstücke, die aus organisatorischen oder konservatorischen Gründen nur in der Liebermann-Villa zu sehen sein werden, so zum Beispiel das Gemälde Vor dem Start, um 1879, von Edgard Degas.

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Der Katalog zur Ausstellung

Der umfangreiche Katalog, der im Hirmer Verlag München erschienen ist, wurde gemeinsam erarbeitet. Er hat 200 Seiten, ist reich bebildert und ab sofort auch im Museumsshop der Liebermann-Villa erhältlich.

Die Eröffnung in Bremen war ein großes Fest. Als Schirmherr der Ausstellung begrüßte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Alfons Hoermann. Dorothee Hansen führte als Kuratorin kompetent in das Thema der Ausstellung ein. Direktor Christoph Grunenberg übernahm den Dank und dankte nicht nur dem Team seines Hauses, den Sponsoren und den Leihgebern, sondern ausdrücklich auch der Liebermann-Villa am Wannsee für die gute Kooperation.

Die Ausstellung Max Liebermann – Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport ist in der Kunsthalle Bremen noch bis zum 26. Februar 2017 zu sehen und kommt ab dem 19. März 2017 in die Liebermann-Villa am Wannsee.


Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Direktor der Liebermann-Villa