Vor einer Woche führten uns die Vorbereitungen zu unserer Herbstausstellung „Waldemar Rösler – Ein Berliner Impressionist“ nach Kühlungsborn. Mit von der Partie waren unsere wissenschaftliche Volontärin, Frau Dr. Watling, meine Tochter Emma und ich.
In Kühlungsborn lebt und arbeitet die Enkelin des Künstlers, Anka Kröhnke. Sie ist Künstlerin in dritter Generation und kümmert sich um den künstlerischen Nachlass der ganzen Familie. Hierzu gehören ihre Großeltern Waldemar Rösler und Oda Hardt-Rösler und ihre Eltern Walter Kröhnke und Louise Rösler. Sie selbst ist ausgebildete Weberin und seit Jahrzehnten als innovative Kunsthandwerkerin tätig, die vor allem mit ihren abstrakten Webkompositionen und Reliefs aus farbigen Blechstreifen bekannt geworden ist. Ihr Haus in Kühlungsborn ist deshalb voll von Kunst aus mehr als zehn Jahrzehnten. In ihrer eigenen Galerie im Erdgeschoss zeigt sie eine wechselnde Auswahl aus dem reichen Schatz und kombiniert sie mit Präsentationen von Werken anderer Künstler. Bis vor wenigen Tagen war das Schaffen der drei Generationen in Hamburg zu sehen, in der Hamburger Börse.

Waldemar Rösler
Anka Kröhnke hält den umfangreichen Familiennachlass lebendig. Daher haben wir bei unseren Vorbereitungen zugesehen, sie möglichst frühzeitig mit ins Boot zu holen. Von unserem Plan, anlässlich des 100. Todestages eine Ausstellung über Waldemar Rösler in der Liebermann-Villa zu machen, war Frau Kröhnke spontan begeistert. Sie verschob hierfür sogar eine eigene Rösler-Ausstellung, damit möglichst viele Bilder für Berlin zur Verfügung stehen können.

Ende Juni, an einem der heißesten Tage, machten wir uns auf, um sie in Kühlungsborn zu besuchen. Angesichts der sommerlichen Temperaturen waren wir alle froh, dass das Auto über eine Klimaanlage verfügte. Nach knapp dreistündiger Fahrt kamen wir bei dem zur Galerie umgebauten weißen Haus am Ortseingang von Kühlungsborn an. Das Haus liegt etwas erhöht, sodass man vom Parkplatz aus einen fabelhaften Blick auf die Ostsee hat.

Waldemar Rösler
Frau Kröhnke, eine vitale Frau mit kurzen grauen Haaren, empfing uns auf das Herzlichste und zeigte uns freigiebig alles, was sich an Rösler-Werken in ihrem Besitz befindet. Das was war so einiges, auch wenn die Gemälde aus ihrem Bestand überwiegend für die Ausstellung in Hamburg ausgeliehen waren (hier mussten wir uns mit Abbildungen behelfen). Aus einem großen Graphikschrank holte Frau Kröhnke Blatt auf Blatt hervor, Zeichnungen und Graphiken, die alleine schon eine eigene Ausstellung wert wären.

Waldemar Rösler

Was sie an Gemälden noch im Haus hatte, zog sie auch hervor, sodass wir einen umfangreichen Überblick über das Schaffen Waldemar Röslers und die mögliche Exponate für unsere Ausstellung bekommen konnten. Frau Kröhnke versorgte uns aber nicht nur mit Kunst und kenntnisreichen Ausführungen, sondern zu allem Überfluss auch noch mit einem tollen Mittagessen, das wir im Schatten des Sonnensegels auf dem Balkon (rot gestrichen) einnahmen: gebratenes Schweinefilet an Rosmarin-Backkartoffeln und Salat, und zum Nachtisch: Rhabarber-Crumble (aus dem eigenen Garten). So schön können Ausstellungsvorbereitungen sein! Nach einem abschließenden Rundgang durch ihre Galerie am Nachmittag, in der zurzeit Werke von Louise Rösler und Matthias Wegehaupt zu sehen sind (http://www.museum-atelierhaus-roesler-kroehnke.de/index.php?area=aktuelles) traten wir die Rückfahrt an. Natürlich nicht, ohne noch einmal nach Kühlungsborn hinein, bis zum Ostseestrand zu fahren und die Füße ins Wasser zu halten.


Autor: Dr. Martin Faass

Dr. Martin Faass ist Direktor der Liebermann-Villa.

Die Ausstellung „Waldemar Rösler – Ein Berliner Impressionist“ wird vom 16. Oktober 2016 bis 30. Januar 2017 in der Liebermann-Villa zu sehen sein.