Jetzt schon „rüstet sich das Volk der Schnecken“ wie in einem Gedicht von Wilhelm Busch beschrieben, und wir sind besorgt, dass der Winter wohl nicht kalt genug war, diese Population in Schranken zu halten. Warme Tage im März locken die ersten Schnecken aus ihrem Winterschlaf. Dank ihres Geruchssinns finden sie zielsicher frisches Grün.

Immer wieder werde ich von Besuchern des Liebermann-Gartens gefragt, was ich gegen Schnecken mache. Oder: Wo sind eigentlich die Schnecken im Liebermann-Garten?
Dazu muss ich sagen: Wir haben kein Schneckenproblem.

Sicher gibt es sie und die eine oder andere Pflanze fällt ihr auch mal zum Opfer, aber eine Plage sind sie für mich nicht. Neulich entdeckte ich in unserem frisch gepflanzten Salatbeet eine abgefressene Pflanze – aber war es nicht genau die, die sowieso schon so schwächlich aussah? Genau das ist der Punkt. Gesunde Pflanzen und ein gesunder Garten sind von sich aus widerstandsfähig und reduzieren den Schneckenfraß auf ein akzeptables Maß.

Schnecken
Natürlich muss auch ich vorbeugende Maßnahmen ergreifen, beispielsweise wenn wir Dahlien pflanzen, die jungen Zinnien ins Beet setzen oder junges Gemüse erst einmal noch schlapp in der Erde hängt. Dann streue auch ich – als bekennende Schneckenfreundin – Schneckenkorn, um meine Pflänzchen zu schützen. Zu beachten ist dabei unbedingt, dass es ein Präparat ist, das bienenfreundlich ist und auch sonstige Nützlinge und Haustiere keinen Schaden nehmen. Schneckenkorn funktioniert gut, wenn man es richtig anwendet. Es reicht nicht aus, wenn man es nur um die zu schützende Pflanze streut oder noch etwas Korn in der Nähe verteilt. Es ist wichtig, das gesamte Beet oder sogar angrenzende Beete breitwürfig mit Schneckenkorn einzudecken.

Dahlien sind am besten gegen Fraßschäden gewappnet, wenn man sie schon im Februar in Töpfen an einem frostsicheren Ort vorzieht und erst ins Beet setzt, wenn sie schon ca. 20 cm groß sind. Morgendliches Gießen verhindert, dass der Boden über Nacht feucht bleibt und nachtaktive Schnecken ideale Fortbewegungsbedingungen haben. Alles, was trocken ist, erschwert es der Schnecke, ihr Ziel zu erreichen. So sind feinkrümlig gegrubberte Beete, die tagsüber schnell trocknen, kein attraktiver Ort für sie. Sägemehl, Stroh oder Kokosfasern in Jungpflanzenbeeten auszulegen, ist auch eine Maßnahme, Schnecken abzuhalten. Ein grüner Zaun aus Kresse soll auch wirksam sein. Man muss eben einiges ausprobieren und am besten mehrere Maßnahmen miteinander kombinieren.
Aber hört sich das alles nicht viel besser an, als Schnecken zu zerschneiden, sie mit kochendem Wasser zu verbrühen, sie in Bier ersaufen zu lassen oder dreimal in der Nacht aufzustehen, um die Schnecken mit einer Taschenlampe im Garten aufzuspüren und sie dann umzubringen? Ist es nicht viel schöner und auch sinnvoller, die Zeit im Garten mit anderen Dingen zu verbringen?

Schnecken
Ob Schnecken tatsächlich zur Plage werden, ist auch eine Frage der Einstellung. Schnecken können auch nützlich sein, denn sie helfen mit, den Garten aufzuräumen. Sie entsorgen abgestorbene Pflanzenteile, und fleischfressende Arten ernähren sich auch von Aas und den Eigelegen ihrer Artgenossen. Darüber hinaus sind Schnecken auch interessant und schön anzusehen, wie beispielsweise die kleine Bänderschnecke mit ihrem fein gezeichneten Häuschen oder die Weinbergschnecke, die sogar unter Naturschutz steht. Viel Wissenswertes und auch Sympathisches über den „Mythos“ Schnecke finden Sie in dem Schneckenportrait von Florian Werner, das ich Ihnen wärmstens empfehlen möchte.
Und läuft mir dann doch einmal eine, ich gebe es zu, eher fiese Nacktschnecke über den Weg, hebe ich sie auf, bringe sie zum Kompost und rede ihr ins Gewissen, dass sie lieber dort bleibt, bevor ich es mir anders überlege.


Autorin + Fotos: Kirsten Plathof

Kirsten Plathof ist Gärtnermeisterin der Liebermann-Villa

Literaturtipp: Naturkunden: Schnecken – Ein Portrait von Florian Werner
Das Buch ist im Museumsshop der Liebermann-Villa erhältlich.

 

Wilhelm Busch – Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen,
und der laute Tag verklingt,
nur dass auf den höchsten Ästen
lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
wo es still verborgen blieb,
rüstet sich das Volk der Schnecken
für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne.
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
immer auf dem nächsten Pfad,
finden sie die Gartenbeete
mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen,
bis zum Morgensonnenschein,
nagen sie geheim und dringen
tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen
dieses Kraut nie ohne Arg.
Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
ihres lieben gnädgen Herrn.
Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
mag der alte Kerl nicht gern.