Der Ortsteil Berlin-Wannsee wurde am 2. Mai 1945 von der Roten Armee befreit und gehörte später zum amerikanischen Sektor. Wannsee war im 2. Weltkrieg von Luftangriffen weitgehend verschont geblieben, so dass die Gebäude und die Infrastruktur überwiegend intakt waren.

Das Wannsee-Grundstück Max Liebermanns mit der Liebermann-Villa ging am 8. Mai 1945 in die Treuhand der drei West-Alliierten über. Schon im letzten Kriegsjahr 1944 hatte die Liebermann-Villa als Reservelazarett gedient. Nun überließen die West-Alliierten das Haus zusammen mit fünf anderen Villen, die alle an der Straße Am Großen Wannsee lagen, dem Bezirksamt Zehlendorf und dem Landesgesundheitsamt. Nach Umbauarbeiten wurden sie als „Wannsee-Krankenhaus“ eröffnet.

 

Operationssaal im ehemaligen Atelier Max Liebermanns 1947
Operationssaal im ehemaligen Atelier Max Liebermanns 1947

Die Liebermann-Villa wurde für die Krankenhausnutzung mit der benachbarten Villa Hamspohn baulich verbunden und bildete die Chirurgische Abteilung. Im ersten Obergeschoss (heute Ausstellungsetage) war im ehemaligen Atelier Max Liebermanns ein Operationssaal eingerichtet worden. Vor dem Operationszimmer gab es in der Halle einen Warteraum. Die ehemaligen Privaträume der Familie Liebermann wurden als Krankenzimmer genutzt.

Auch im Untergeschoss waren aus den meisten Räumen Krankenzimmer geworden. Aus Platzmangel wurde sogar die Loggia des Malers zur Gartenseite zugemauert, um ein weiteres Krankenzimmer zu erhalten.

Liebermann-Villa

In der Zeit des Wannsee-Krankenhauses entstand wahrscheinlich auch die Inschrift am Fries der Villa: „Hier lebte und wirkte Max Liebermann“. Wer diese Inschrift anbringen ließ, ist bis heute ein Rätsel.

Das Wannsee-Krankenhaus zog erst Anfang der 1970er Jahre aus der Liebermann-Villa aus, zuletzt hatte noch das Krankenhauspersonal im Sommerhaus Max Liebermanns gewohnt.


Autorin: Sandra Köhler – Presse