Es regnet bei 4 Grad Celsius – ist das gut für den Garten?
Letzte Woche hatten wir mit bis zu minus 11 Grad und einer leichten Schneedecke einen kurzen Kälteeinbruch – ist das gut?

Gartenliebende machen sich stets Sorgen um das Wetter, bzw. um ihre Pflanzen und klagen gerne über alle klimatischen Vorkommnisse, die nicht zur „richtigen“ Jahreszeit erscheinen. So sagt der Deutsche Wetterdienst zur ersten Frage „Endlich Regen“, denn nach dem trockenen letzten Jahr gibt es in punkto Regen in einigen Regionen noch enormen Nachholbedarf. Jeder Garten braucht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wärme, Sonne und Regen. Auch wenn sich manche Menschen bei Trockenheit und Wärme besonders wohl fühlen, sollten sie an die Pflanzen denken, die den für sie lebensnotwendigen Regen brauchen um Nährstoffe aufzunehmen („essen“) und ihren Wasserhaushalt stabil zu halten („trinken“).
In 2015 folgte auf den wärmsten November seit 1881 ein „Rekord-Dezember“, der als wärmster deutschlandweit seit Beginn flächendeckender Messungen bezeichnet wird. Der Dezember 2015 brach nicht nur den bisherigen Temperaturrekord sondern er war auch noch mit einer Durchschnittstemperatur von 6,4 Grad um 5,6 Grad wärmer als die mittlere Temperatur dieses Monats in den Rekordjahren 1934 und 1974. In vielen Regionen Deutschlands blieb der Dezember 2015 absolut frostfrei. In Berlin und Brandenburg hatten wir einen Durchschnittswert von ca. 7 Grad Celisus. Weiße Weihnacht gab es nur auf der Zugspitze.
Viel gravierender für unsere Pflanzen war: Der Dezember war zu trocken. Die Regenmenge erreichte nur ca. 50 Prozent ihres Solls. Berlin war im Jahr 2015 zwar das sonnenscheinreichste und mit 10,9 Grad auch das wärmste Bundesland, aber auch das trockenste.Erinnern wir uns an die letzten beiden Winter. Es waren keine. Eine kurze Frostperiode, einmal Schnee und das war’s. Nicht wie im Jahr 2010 (der letzte „richtige“ Winter) als wir vor lauter Schneemassen das Haus nicht verlassen konnten.

Der große Rasen hinter der Liebmann-Villa unter einer Schneedecke
Die große Rasenfläche hinter der Liebmann-Villa lag in der ersten Januar-Woche noch unter einer Schneedecke

Kommen wir also zur zweiten oben gestellten Frage – Schnee und Kälte. Schnee wirkt wie eine Isolierschicht und schützt Erdoberfläche und Pflanzen. Vorausgesetzt sehr starke Fröste halten nicht über längere Zeit an beträgt die Temperatur zwischen Schneedecke und Boden Null Grad. Daher kommen unsere Pflanzen mit einer Schneedecke gut zurecht. Mehr noch – schmilzt der Schnee, wird der Boden mit Feuchtigkeit versorgt. Gefährlich für frostempfindliche Pflanzen wie Rosen, Kräuter und verschiedene Stauden sind die sogenannten Kahlfröste. Ohne die schützende Schneedecke sind Pflanzen und Boden dem Frost ungeschützt ausgesetzt und der Boden trocknet zusätzlich noch aus, darunter leiden besonders Immergrüne.

Buchs & Co sollten bei frostfreiem Wetter gewässert werden, auch Kübelpflanzen wie unsere Hortensien, die draußen überwintern. Nach einem trockenen Winter sollte man im Frühjahr rechtzeitig mit dem Wässern beginnen falls üppiger Regen ausbleibt.

Außer der Trockenheit, die auch in unserem Garten ihre Spuren hinterlassen hat, fiel mir in den letzten beiden „Extrem-Wetter-Jahren“ auf, dass die Rosen so üppig geblüht haben wie nie und die Obstbäume, vor allem die Äpfel, uns reichlich mit Früchten beschenkt haben. Auch die Schädlinge sind bisher noch nicht explosionsartig über uns hergefallen. Veränderungsprozesse in der Natur gehen eben langsam voran. Das Wetter können wir nicht ändern.
Und wie dieser Winter noch wird? Lassen wir uns überraschen.


Autorin: Kirsten Plathof

Kirsten Plathof ist Gärtnermeisterin der Liebermann-Villa