Die Liebermann-Villa hat einen neuen Direktor: Der Kunsthistoriker Dr. Daniel Spanke wird im April 2019 seinen neuen Posten am Wannsee antreten. Er löst den Gründungsdirektor des Museums, Dr. Martin Faass, ab, der seit Januar 2019 Direktor des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt ist.

Liebermann-Villa: Herr Dr. Spanke, Sie haben für einige sehr renommierte Museen gearbeitet…

Dr. Daniel Spanke: Das stimmt: Für das Kunstmuseum Stuttgart habe ich bis 2012 als Kurator gearbeitet. Marion Ackermann hatte mich 2007 in ihr ganz neues, junges Team geholt. Es war toll diesen Geist des Neuanfangs eines Museums in bester Innenstadtlage mitzuerleben. Die Arbeit mit der Sammlung, vor allem der weltweit größten mit Werken von Otto Dix, war großartig. Am Kunstmuseum Bern war ich dann für eine viel umfassendere Sammlung verantwortlich, vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Dort habe ich mich auch intensiv mit Provenienzfragen auseinandergesetzt, denn das Erbe Cornelius Gurlitts war gerade für ein Schweizer Museum eine große Herausforderung.

Liebermann-Villa:In Stuttgart haben Sie auch schon Erfahrungen bei der Arbeit mit einem Künstlerhaus sammeln können!

Dr. Daniel Spanke: Das Wohnhaus von Otto Dix in Hemmenhofen am Bodensee ist ein Denkmal des inneren Exils während der Nazizeit. Es war schon länger Museum und wurde von einem privaten Verein geführt. Der Verein wünschte sich angesichts steigender Anforderungen an Museen Entlastung und wandte sich an die Landeshauptstadt Stuttgart. Und da wir das städtische Kunstmuseum waren, wuchs die Aufgabe einer völligen Neukonzeption mir zu. Wir haben dann gesagt, wir wollen dort nicht nur an den Künstler Otto Dix erinnern. Sondern dort hat eine ganze Familie gewohnt, das ist das einmalige des Ortes. Mit Partnern aus dem szenografischen Bereich haben wir das dann zum Kern des neuen Museums Haus Dix als Dependance des Kunstmuseums Stuttgart gemacht.

Liebermann-Villa: Das sind ja sehr gute Voraussetzungen für die Arbeit am Wannsee. Wo sehen Sie denn die Herausforderungen bei Ihrer neuen Tätigkeit als Direktor der Liebermann-Villa?

Dr. Daniel Spanke: Die Liebermann-Villa hat vor allem große Chancen. Martin Faass hat das Haus auf internationales Niveau gebracht und von den Besucherzahlen her gehört es zu den größeren Museen Deutschlands. Da gibt es aber einen Kontrast, nämlich zwischen der riesigen Aufmerksamkeit und Zuneigung, die das Haus genießt, und der schlanken Struktur des Museums mit einem sehr kleinen, hochmotivierten hauptberuflichen Team, den vielen, extrem engagierten Ehrenamtlichen und der begrenzten Fläche eines Lebensortes. In diesem Kontrast liegen Herausforderungen, die das Haus in der Museumslandschaft ziemlich einmalig machen. Davor habe ich großen Respekt.

Liebermann-Villa: Gibt es neue Akzente, die Sie für die Liebermann-Villa setzen wollen?

Dr. Daniel Spanke: Aus der Erfahrung mit dem Museum Haus Dix weiß ich, dass für die Besucher das Erlebnis der Kunst genauso wichtig ist wie das Erlebnis des originalen Lebensortes. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die Atmosphäre vor allem im Erdgeschoss noch etwas mehr darauf abstimmen, dass hier Max Liebermann mit seiner Frau Martha und der Tochter Käthe die Sommerfrische am Wannsee genossen haben. An Ausstellungsthemen rund um Liebermann, den Impressionismus als Beginn der Moderne und die Berliner Sezession wird es uns ebenfalls nicht mangeln.

Liebermann-Villa: Sie werden Ihre neue Tätigkeit im April aufnehmen. Womit werden Sie beginnen?

Dr. Daniel Spanke: Ich werde zuallererst gut zuhören und die Augen aufmachen. Es braucht seine Zeit, einen gewachsenen Organismus wie die Liebermann-Villa von innen her zu verstehen. Die wichtigen Geschichten muss man sich erzählen lassen. Der Blick von außen, den ich natürlich noch eine Zeitlang haben werde, ist am Anfang aber sehr kostbar. Daraus lassen sich dann eventuell neue Impulse gewinnen.

Liebermann-Villa: Und was wünschen Sie sich für Ihre neue Tätigkeit?

Dr. Daniel Spanke: Was soll man sich noch wünschen, wenn man den vielleicht schönsten Arbeitsplatz Berlins mit Blick über den Wannsee hat? Etwas Glück gehört für den Start dazu und viele gute Gespräche mit allen, denen die Liebermann-Villa am Herzen liegt.

______________________________________________________

Zur Person:

Dr. Daniel Spanke wurde 1966 in Gelsenkirchen geboren, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Klassische Archäologie in Bochum, Gießen, Marburg und Köln. Er war der Leiter der Kunsthalle Wilhelmshaven, Kurator für Klassische Moderne am Kunstmuseum Stuttgart und Leiter des Museums Haus Dix in Hemmenhofen am Bodensee, Ausstellungskurator am Kunstmuseum Bern, zuletzt Direktor des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm. Spanke ist Spezialist für die Kunst der Moderne.