An einem Sonntag im Mai fuhr ich mit dem Auto durch Berlin und lauschte – wie so oft sonntags – der „Hörbar Rust“ auf radioeins. Die Journalistin Bettina Rust lädt jeden Sonntag einen prominenten Gast in ihre Sendung ein. Dieser stellt sich in der Sendung vor und die Musik, die in seinem Leben von Bedeutung war.

Die Sendung war bereits im Gange, eine angenehme Frauenstimme berichtete aus einem sehr fern wirkenden Leben, ihre Schilderungen waren äußerst eindringlich und zogen mich sofort in ihren Bann. Ein undefinierbarer Akzent schwang in der Stimme mit und die Wortwahl hatte etwas Antiquiertes. Wer war diese Frau? Ich hing förmlich am Radio und wartete auf die Auflösung!

Es war also Deborah Feldman. Dieser Name sagte mir bislang nichts. Feldman stammt aus Williamsburg, New York und wuchs dort in der Gemeinschaft der ultra-orthodoxen Satmar-Juden auf. Diese sind der Überzeugung, der Holocaust sei eine Strafe Gottes für die zu große Assimilierung der europäischen Juden. Die Gemeinschaft bleibt deshalb unter sich, spricht nur Jiddisch und lehnt diejenigen ab, die nicht nach ihren strengen Regeln leben. Sie glauben, nur so ließe sich ein ähnliches Ereignis wie der Holocaust verhindern.

Unorthodox

Über diese Zeit hat Deborah Feldman ein Buch mit dem Titel „Unorthodox“ geschrieben, welches in den USA sogleich in die Bestsellerlisten kletterte und in dem renommierten Verlag Simon & Schuster erschien. Es ist die Geschichte ihrer in jeder Hinsicht erstaunlichen Kindheit und Jugend, gezeichnet von Zwängen, Grenzen und Verboten, die mir als Leserin schier unglaublich erscheinen. Durch ihren unstillbaren Wissendurst und ihre Neugier verschaffte sich Feldman heimlichen Zugang zu Literatur und damit Bildung und erschloss sich auf diese Weise die Welt „draußen“! Trotzdem musste sie sich zunächst einer von der Familie angebahnten Ehe fügen, um schließlich doch endgültig den Bruch mit der kompletten Gemeinschaft zu wagen und die Flucht nach Europa anzutreten. Deborah Feldman lebt mittlerweile in Berlin.

Der eher kleine Berliner Verlag Sezession hat im Frühjahr die deutsche Übersetzung auf den Markt gebracht und auch hier hat das Buch – zu Recht – die Bestsellerlisten erklommen. Seit einigen Wochen führt nun der Museumsshop der Liebermann-Villa den packenden Lebensbericht von Deborah Feldman „Unorthodox“. Wir mussten das Buch bereits nachbestellen, so gut hat es sich bislang verkauft! Jetzt gilt es nur noch die Autorin für eine Lesung bei uns am Wannsee zu gewinnen!


Autorin: Dina Schlote

Dina Schlote leitet den Museumshop der Liebermann-Villa