Am Montag, dem 12. September schließt unsere diesjährige Sommerausstellung Max Liebermann: Biergärten und Caféterrassen. Hier sind 5 Gründe, die Reise nach Wannsee zu unternehmen und die Ausstellung zu besuchen, bevor es zu spät ist!

1. Eine Mini-Retrospektive der Werke Liebermanns

Als Künstler war Max Liebermann nicht nur vielfältig, sondern auch außergewöhnlich produktiv. Seine Karriere umfasste acht Jahrzehnte und mehr als 1.800 Ölgemälde. Indem sie sich auf seine Darstellungen von Biergärten und Caféterrassen konzentriert, wirft die Ausstellung ein Schlaglicht auf die Schlüsselmomente dieser Karriere: die Zeit in Bayern während der 1870er Jahre, die regelmäßigen Aufenthalte in Holland, die Freundschaft mit Alfred Lichtwark (1886 bis 1914 Direktor der Hamburger Kunsthalle) und die späten Jahre in Wannsee. Sie zeigt darüber hinaus die Entfaltung seines impressionistischen Malstiles.

2. Nie gesehene Bilder

Schon zu Lebzeiten waren Liebermann und seine Werke gut bekannt; heute zählt er zu den bekannten Künstlern Deutschlands. Deswegen ist es besonders schön, wenn weniger bekannte Bilder des Künstlers in der Öffentlichkeit auftauchen. So war es während der Vorbereitungen dieser Ausstellung. Die Hamburger Kunsthalle hatte uns schon das Ölgemälde Restaurationsgarten – Biergarten in Leiden (1900) zur Verfügung gestellt, als uns ein unerwartetes Angebot aus einer süddeutschen Privatsammlung erreichte: „Haben Sie Interesse an einer Studie zum Biergarten in Leiden?“

Ausstellungsende
Max Liebermann, Studie zum „Restaurationsgarten in Leiden“, 1902. Privatsammlung,
Foto: Julia Jungfer.

Laut dem Liebermann Werkverzeichnis wurde diese erste Fassung der Szene in Leiden zum letzten Mal im Jahr 1911 ausgestellt und galt seitdem als verschollen. Heute hängen die zwei Bilder neben einander in unserer Ausstellung – ein faszinierender Einblick in die Werkprozesse des Künstlers.

3. Decken Sie das Geheimnis der „schwebenden Stühle“ auf!

Liebermann war kein abstrakter Maler und schon gar kein Surrealist! Nichtsdestotrotz passiert in seinem Gemälde Gartenlokal an der Havel – Nikolskoe aus dem Jahr 1916 etwas Merkwürdiges. Das Bild zeigt die Gäste im Gartenrestaurant „Nikolskoe“, nicht weit von Liebermanns Wannsee Villa entfernt. Links sitzt ein Soldat mit einer jungen Frau, mittig zwei Männer, rechts zwei Frauen beim Kaffeetrinken. Obwohl die Figuren im Bild sorgfältig gemalt sind, mit den Möbeln auf der Terrasse hat Liebermann sich manche Freiheiten erlaubt. Fast jeder Stuhl ist ohne Beine dargestellt. In bestimmten Stellen fehlen auch die Sitzflächen, mit dem Ergebnis, dass die Leute im Bild in der Luft zu schweben scheinen. Warum hat Liebermann dieses anscheinend nicht fertiggemalte Bild signiert?

Nikolskoe detail
Max Liebermann, Gartenlokal an der Havel – Nikolskoe, 1916 (Detail), SMB – Nationalgalerie, Foto: Andres Kilger

Vielleicht war Liebermann in Termindruck, weil der erste Besitzer des Gemäldes – der Hamburger Kunstsammler Max Emden – das Gemälde abholen wollte. Laut Archivquellen kam Emden im Herbst 1916 nach Berlin, um das Bild mitzunehmen. Er hat das Gemälde am 18. Oktober von Liebermanns Kunsthändler Paul Cassirer gekauft – kaum dass Liebermann das Bild an Cassirer geliefert hatte. Selbst für den hoch begehrten Maler Liebermann ein sehr schneller Turnaround.

Vielleicht aber auch fand Liebermann das Bild einfach schöner, ohne das Gewirr an Stuhlbeine im Vordergrund. Sicherlich schafft diese leere Fläche einen ruhigen Eindruck und konzentriert die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die attraktiven Lichtflecken am Boden. Hat diese Auslassung ästhetische Gründe? Besuchen Sie die Ausstellung und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

4. Ein Einblick in die Geschichte des Wannsees

In den letzten dreißig Jahren seiner Karriere waren Gartenlokale rund um den Wannsee ein wichtiges Motiv für Max Liebermann. Im ersten Raum der Ausstellung kann man eine großformatige Karte des Wannsees vom Anfang des 20. Jahrhunderts sehen, worauf alle Wannsee-Lokale mit historischen Postkarten markiert sind.

5. Gönnen Sie sich eine Erfrischung im Freien

Nicht zuletzt kann man – nach einem Rundgang durch die Ausstellung – immer noch unser eigenes Cafélokal genießen, sei es oben auf der Terrasse, oder unten beim Wasser. Die perfekte Möglichkeit, die letzten warmen Sommertage am Wannsee auszukosten!

Liebermann Villa Cafe
Im Garten der Liebermann-Villa am Wannsee.

Autorin: Dr. Lucy Watling

Dr. Lucy Watling ist wissenschaftliche Volontärin der Liebermann-Villa