Anders Zorn, Porträt Martha Liebermann 1896. Zornsamlingarna Mora

Die Ausstellung Martha Liebermann (1857–1943) – Lebensbilder setzte sich 2007 mit der außergewöhnlichen Persönlichkeit von Max Liebermanns Ehegattin auseinander. Anhand von Porträts, die Liebermann im Laufe seines langen Lebens mit großem Einfühlungsvermögen von ihr gemalt und gezeichnet hatte – zusammen mit Bildnissen von anderen Künstlern – wurde Marthas Leben, das sie gemeinsam mit dem berühmten Maler führte, nachgezeichnet.

Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung waren die beiden Porträts von Max und Martha Liebermann, die Anders Zorn 1896 gemalt hatte. Das repräsentative Martha-Bildnis hing lange Jahre im Liebermann-Haus am Pariser Platz neben dem von ihrem Ehegatten und befindet sich heute in der Zorn-Sammlung in Mora.

Seit den 1890er Jahren waren Max und Martha Liebermann mit dem schwedischen Maler Anders Zorn und seiner Frau Emma befreundet. Auf Anfrage von Max Liebermann war Zorn 1896 von Paris nach Berlin gereist, um die damals 38-jährige Martha in einem schlichten schwarzen Tageskleid zu malen. Dabei kontrastiert die zurückhaltende Kleidung mit ihrer wachen Haltung: durch den direkten Blick, dem leicht geöffneten Mund und dem Gestus der rechten Hand verkörpert sie ihre Rolle als eine der vornehmsten Gastgeberinnen Berlins.

Damals hätte niemand geahnt, dass dieses Bild vierzig Jahre später Marthas Leben hätte retten sollen. 1942 versuchte Emma Zorn in Schweden und die Schwedische Botschaft in Berlin der betagten und bedrohten Frau bei der Flucht aus Nazi-Deutschland zu helfen. Um die geforderten Devisen für ihre Ausreise zu beschaffen, löste ein Freund der Familie, Edgar von Uexküll, das Gemälde aus dem Rahmen und schmuggelte es nach Schweden. Trotz seines Engagements war eine Rettung aber nicht mehr möglich, da beim Verkauf der erhoffte Preis nicht erzielt wurde und auch die Bemühungen von Schweizer Freunden ins Stocken gerieten. Durch Selbstmord entzog sich Martha Liebermann schließlich der Deportation nach Theresienstadt.

Das Porträt von Zorn zeigt Martha Liebermann auf der Höhe ihres gesellschaftlichen Ansehens und ist dabei zugleich das Dokument ihrer größten Not. Es versinnbildlicht ihren wechselvollen Lebensweg, den sie über fünfzig Jahre an der Seite des berühmten Malers durchlief. Gemeinsam mit ihrem Mann erlebte sie Jahre voller Anerkennung und Ehrungen, die den Berliner Maler zum Präsidenten der Berliner Secession, zum Präsidenten der Akademie der Künste und zum Ehrenbürger Berlins machten, und musste nach 1935 als tapfere Künstlerwitwe sämtliche Stufen der Entrechtung erleben.

Max und Martha Liebermann auf ihrem Balkon, Pariser Platz 7, um 1900. Zornsamlingarna Mora

Autorin: Alice Cazzola, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Liebermann-Villa