In unserer neuen Reihe „25 Jahre – 25 Bilder“ begleiten wir das 25-jährige Jubiläum der Max-Liebermann-Gesellschaft wöchentlich mit Bildern auf unserem Instagram-Account. Für jedes Jahr haben wir ein Bild für Sie herausgesucht, hinter vielen steht eine Geschichte, auf die wir in diesem Blog näher eingehen werden.


1995 – Die Liebermann-Villa als Vereinsheim eines Sportclubs

Unsere Aufnahme aus dem Jahr 1995 stammt vom 16. März, dem Tag der Gründung der Max-Liebermann-Gesellschaft. Die Liebermann-Villa ist im Hintergrund zu sehen, vorn bestimmen Boote und eine Straßenlaterne an einem Bootssteg den Gesamteindruck, am linken Rand führt eine Betonrampe in den Wannsee. An dem Tag, an dem diese Aufnahme entstand, war schon beschlossen, dass die Sommervilla des größten deutschen Impressionisten und Ehrenbürgers Berlin, Max Liebermann, für lange Zeit das Vereinsheim eines Sportclubs bleiben würde. Die Zehlendorfer Bezirksverordnetenversammlung hatte sich am Vorabend positiv gegenüber einem Eilantrag des Clubs ausgesprochen, den Pachtvertrag für die Villa um weitere 20 Jahre, bis zum Jahr 2015, zu verlängern. Unser Foto wurde damals am 16. März mit dieser Meldung in einer Berliner Zeitung abgedruckt.

Die Max-Liebermann-Gesellschaft in Gründung hatte 1995 großen Wirbel hervorgerufen und der Sportverein war natürlich über die Bestrebungen beunruhigt, aus der Liebermann-Villa ein Museum zu machen. Zumal auch Vertreter von Berliner Kulturinstitutionen, wie der Akademie der Künste, der berühmte Architekturhistoriker Julius Posener und der Großneffe Max Liebermanns, der Komponist Rolf Liebermann, lebhaften Anteil an der Diskussion nahmen und sich positiv zu dieser Idee aussprachen. Vielen Berlinern war das „vergessene“ Künstlerhaus am Wannsee erst 1992 durch eine Liebermann-Verkaufsausstellung des Kunsthändlers Francke in Erinnerung geraten. Die Geister, die man mit dieser Ausstellung ungewollt gerufen hatte, wollte der Sportclub nun 1995 endgültig bannen. Und es schien fast so, als ob dies gelungen wäre. Lediglich einen Passus im Verlängerungsvertrag sollte die Pacht bis 2015 noch kippen können: Es musste ein gleichwertiges Ausgleichsgrundstück am Wannsee für den Verein gefunden werden, damit dieser auszöge. Im Jahr 1995 schien dies allerdings aussichtslos zu sein, da alle Grundstücke bereits langfristig vergeben waren.

Die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin gründete sich also an diesem Tag, ohne die Hoffnung das Liebermann-Anwesen in näherer Zukunft zu erhalten. Lediglich 15 Personen waren deshalb bei der Gründungsversammlung noch zugegen. Trotzdem erklärte der damalige 2. Vorsitzende der Gesellschaft, Rolf Budde, der Presse einige Tage später: „Die Gesellschaft sei optimistisch, ein solches (Ersatz-)Grundstück zu finden, um Liebermanns Sommerhaus und Garten zum 150. Geburtstag des Malers übernehmen zu können.“

Die Hartnäckigkeit und der Optimismus der Gesellschaft sind ja bekanntlich belohnt worden, es sollten aber noch viele Jahre vergehen, bis dieses Ziel 2002 schließlich erreicht werden konnte.


Autorin: Sandra Köhler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Liebermann-Villa